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Diesozial-ökologischenFolgenderE-Mobilität 339
führtesieimStaatskonzernGécamineszusammen(Faberetal.2017).Während
derKongokriege von 1996-2003kamder industrielleKupfer-Kobalt-Bergbau
in Lualaba undHaut-Katanga fast vollständig zumErliegen.Das Staatsun-
ternehmenmusste fast alle Angestellten entlassen. Seitdem expandiert der
handwerklicheBergbau inderRegion,der durchdie hohenKobaltpreise ab
2002 stark an Attraktivität gewann (Geenen/Cuvelier 2019). Im Gegensatz
zumindustriellenBergbauwirdKobaltbeimhandwerklichenAbbaumitHil-
fe relativ einfacherMaschinenundWerkzeugegefördert.Dementsprechend
erfordertderhandwerklicheAbbaueinendeutlichgeringerenEinsatzvonKa-
pitalundTechnologie,istabersehrarbeitsintensiv(Engels2019).GenaueSta-
tistiken fehlen zwar, allerdings gehen Beobachter*innen von etwa 110.000-
150.000 tätigen handwerklichenGräber*innen in der Region aus (Amnesty
International 2016). Seit dem offiziellen Ende des Krieges und der ab den
1990er JahrendurchdieWeltbank forcierte LiberalisierungdesBergbausek-
tors investiereninternationaleUnternehmenverstärkt indenKobalt-Kupfer-
BergbauimKongo(Rubbers2018).DiegrößtenProduzenteninKongowaren
2018dasSchweizerUnternehmenGlencoremitdenMinenMutandaundKa-
tangaundChinaMolybdenummit der TenkeFungurume-Mine.Die beiden
UnternehmenwarenfürknappdieHälftederkongolesischenProduktionver-
antwortlich (Sanderson2019).
MitderLiberalisierungundAusweitungdes industriellenBergbausnach
EndederKongokriegehabenKonflikte umdieKobaltförderung stark zuge-
nommen. In diesen geht es einerseits um den Zugang zur Ressource und
mithin um die Verteilung der Gewinne aus der Förderung. Dies ist dann
der Fall, wenn kapitalstarkeUnternehmenKonzessionen fürGebiete erhal-
ten, in denenKobalt seit Jahrenhandwerklich gefördertwird.Konflikte um
handwerklichenBergbau sind insbesonderedort stark,wo früherGécamines
dieMinenbetriebenhat.Nachdemfast alleBergleutenachdemKollapsdes
Staatsunternehmens inden 1990er Jahren ihre Jobsverlorenhattenundvor-
und nachgelagerte Industrien ebenfalls zusammengebrochenwaren,wech-
selte einGroßteil derArbeiter*innen indenhandwerklichenBergbau (Faber
et al. 2017). Bis heute ist handwerklicher Bergbau auf Flächen, für die in-
ternationaleUnternehmenKonzessionenbesitzen,weit verbreitetund führt
immerwiederzuKonfliktenumZugangundRohstoffkontrolle (Hönke2010;
Ngoie/Omeje2008).AndererseitswirdauchimKongoumdenZugangzuund
dieVerteilungvonArbeitsplätzenimindustriellenKupfer-Kobalt-Bergbauge-
stritten. In Lualaba undHaut-Katanga besitzen diewenigsten einen siche-
renundgutbezahltenArbeitsplatz.Einkommensarmut,fehlenderZugangzu
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik