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344 LouisaPrauseundKristinaDietz
tionalenWidersprüchederE-Verkehrswende.Der steigendeBedarf anKup-
fer,Kobalt undLithiumbedeutet vor allemeineAusweitungdes industriel-
len,vontransnationalenKonzernenkontrolliertenBergbaus imGlobalenSü-
denunddamit einhergehendeineAusweitungderVerteilungskonflikte.Die
aktuellen verkehrspolitischenReformen inEuropa undDeutschlanddienen
nichtnurderökologischenModernisierungderAutomobilindustrie,sondern
auchderGewinnmaximierungvon transnational agierendenRohstoffunter-
nehmenausdemGlobalenNordenundChina,diedieglobalenProduktions-
netzwerke bereits heute dominieren.Diemit derAusweitungdesBergbaus
verbundenenEntwicklungs-undEinkommensversprechennationalerRegie-
rungen realisieren sich in den Abbauregionen in der Regel nicht (Rubbers
2019;Gundermann/Göbel2018;Müller2017).
Ziel der investierenden Unternehmen und nationalen Regierungen
ist nicht die Sicherung und Verbesserung der materiellen, ökologischen,
kulturellen und sozialen Reproduktionsbedingungen in den Abbauregio-
nen, sondern die Profitmaximierung und Erhöhung nationaler Einnah-
men. Der steigende Rohstoffbedarf im Globalen Norden und nationale
Entwicklungsversprechen im Globalen Süden stehen im Widerspruch zu
sozial-ökologischenund ökonomischenVerwerfungen sowie anti-demokra-
tischenEntscheidungsprozessenimBergbausektor.Letzterewerdenvonden
Befürworter*innenderE-Mobilität inEuropa jedochnicht thematisiert.
Es sind die Anwohner*innen, Bergbaugegner*innen und imhandwerk-
lichenBergbau tätigenMenschen,unterstützt von (inter-)nationalenNGOs,
die dieseWidersprüche inKonflikten umBergbau skandalisieren undpoli-
tisieren.Dabei geht esnichtnotwendigerweiseumeingenerellesNeinzum
Bergbauundbisher kaumumE-Mobilität.Ausschlaggebend fürdieEntste-
hung von Konflikten sind vielmehr die kontextspezifischen Folgen des Ab-
bausundwiediesevondenAkteurenwahrgenommenwerden,nationaleund
lokaleRegulierungen (siehedazudenBeitrag vonBrunnengräber indiesem
Band) sowie dasVerhalten vonUnternehmengegenüber undderKohabita-
tionmit handwerklichen Bergleuten. ImMittelpunkt der Konflikte stehen
die Sicherung der Lebensgrundlagen und Reproduktionsbedingungen und
dieMöglichkeiten für lokaleGemeinden vom industriellenBergbau zupro-
fitieren.Es geht umArbeitsplätze, dieVerteilungderGewinne, ökologische
Zerstörungen,Entschädigungen,demokratischeMitbestimmung,territoria-
leKontrolleunddieAnerkennungbestehenderpolitischer, sozialerundkul-
tureller Rechte sowie lokal angepasster und kulturell verankerter alternati-
ver Lebensweisen. Diskursiv beziehen sich lediglich die Unternehmen so-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik