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(Auto-)Mobilität zwischenZwangundTeilhabe 397
werden,istnichtnuraufgrundanhaltendhoherPreisederRohstoffefürBat-
terienoffen.
Die Flottenemissionen sind ein auf dieUnternehmensebene begrenzter
Regulierungsgegenstand,der dieEntwicklungsabteilungen fordert, die her-
stellerindividuellen Effizienzpotenziale zu nutzen.Da es in der Klimaregu-
lation aber umvolkswirtschaftlicheGesamtwerte geht,müssendieseRegu-
lierungsinstrumentemitderabsolutenZahlderzugelassenenFahrzeuge ins
Verhältnis gesetzt werden.Die Reduktionsvorgaben für den gesamtenVer-
kehrssektor, die bisher imKlimaschutzplanderBundesregierung festgehal-
ten sind,werdenalsonurbedingtdurchdie FlottengrenzwertederHerstel-
lererreicht.Rebound-EffektekönnenEffizienzgewinne(über-)kompensieren
(Zulassungszahlen,neueExternalisierungsstrategien inderRohstofffrage).
VordiesemHintergrundwilldieAutomobilindustriederklimapolitischen
Fragemit einer grünenWachstumsstrategie begegnen, in die durch Inno-
vationen entstandene neue Akkumulationsfelder (z.B. Digitalisierung,Mo-
bilitätsdienstleistungen) eingebundensind.DieProduktiondes elektrischen
Antriebs geht dabei mit einer Veränderung der Kapitalzusammensetzung
einher. Die trotz fortwährender Automatisierungs- und Digitalisierungs-
schritteimmernocharbeitsintensiveProduktionvonVerbrennungsantrieben
wirddurch eine leichter rationalisierbare kapitalintensiveBatterieprodukti-
onSchritt fürSchritt ersetzt.DasneueAntriebssystemweist einegeringere
Wertschöpfungstiefe auf. NeueMargen werden dabei weniger in der Pro-
duktion,sonderninMobilitätsdienstleistungenentstehen.DerDruckaufdie
Beschäftigtenwirddahermittel-und langfristignichtabnehmen.Die ›neue‹
Technologie entwertet alteQualifikationenundzusätzlich zudenRationali-
sierungseffektendurchdigitalisierteAnlagennimmtderVerlagerungsdruck
gegenüberdeutschenStandortendurchdenelektrischenAntriebstarkzu.
EntsprechendeBeschäftigungseffektefindensichzumBeispieldieELAB
2Studie (Bauer et al. 2018), die diese anhandder realenProduktionszahlen
derHersteller und großen Zulieferer errechnet hat. Laut dieser Studie sol-
len bis 2030 ca. 75.000 von etwa 220.000 Beschäftigten in der Produktion
undEntwicklungvonAntriebskomponentenüberflüssigwerden.Dabeiwur-
de schon die Entstehung neuer Arbeitsplätze eingerechnet. Grundlage der
Rechnungwar die Annahme, dass die Flottenemissionen derHersteller bis
2030um30 % reduziertwerden.NachderEinigungder europäischen Insti-
tutionenaufdenZielwertvon37,5 %CO2Reduktionbis2030ergabeineNeu-
berechnung, dass etwa 150.000Arbeitsplätze betroffen sind (wiederumnur
inderEntwicklungundProduktionvonAntriebskomponenten).BeideRech-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik