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KonversionderösterreichischenAuto(zuliefer)industrie? 419
OEMsals auch starkerZulieferer–,derenHeadquarters sichaußerhalbÖs-
terreichs befinden, bedeutet, dass wesentliche Entscheidungskompetenzen
nichtvorOrtliegen.Beinahe70 %derBeschäftigunginderunmittelbarenAu-
tozulieferindustriefindet in solchenKonzerntöchtern statt. Fürbetriebliche
InitiativenzurDurchsetzungalternativerFertigungskonzepte liegthier eine
besondereHerausforderung,zumalSpielräumevonBelegschafteninSubein-
heiten solcherKonzernstrukturen–darauf deutenunsere empirischenUn-
tersuchungen hin – erheblich eingeschränkt werden undwohl »unkonven-
tionelle« FormenderOrganisationundAktionnötigmachen.DerStatus als
ZulieferindustriekönnteaberdurchausauchgewisseVorteile füreinedemo-
kratischeKonversionmitsichbringen,zumaldieOrganisationderLieferkette
nach Just-In-Time-beziehungsweise Just-In-Sequence-Prinzipmit einer er-
heblichen Störanfälligkeit des Produktionsprozesses verbunden ist.Das er-
möglicht Beschäftigten in Zulieferbetrieben den Produktionsprozess durch
koordinierteArbeitsniederlegungenanstrategischenPunktenempfindlichzu
stören (Herod2001;ArbeitskreisStrategicUnionism2013: 351).
Eine Charakterisierung der gesamten Branche als »verlängerte Werk-
bank«derdeutschenAutoindustriewäreallerdings einseitigundunbegrün-
detpessimistisch.Erstens,weildieForschungeinenichtzuverachtendeRolle
spielt. Die Forschung und Entwicklungs (F&E) -Quote in der Kfz-Branche
liegt weit über dem nationalen Durchschnitt und wird nur von jener der
Elektroindustrie übertroffen (Fachverbandder Fahrzeugindustrie 2019). Für
dieses Charakteristikum steht etwa das Grazer Unternehmen AVL LIST,
ein global führender Entwickler von Verbrennungsmotoren, der allerdings
mittlerweile auch im Bereich alternativer Antriebssysteme – Investitionen
fließen in vollelektrische und hybride Antriebsvarianten, aber auch in die
Brennstoffzellentechnologie–intensiv tätig ist (OTS2019).Zweitensmachen
Ausmaß und Stellenwert lokalen Knowhows eine solche Charakterisierung
wenigplausibel.Zwar entfallen90 %desProduktionsvolumensaufGroßun-
ternehmen13, indenenvermehrtangelernteArbeitskräfteverwendetwerden,
diesewerden jedochergänztdurcheinegroßeZahlkleinerundmittelgroßer
Betriebe,die inSumme67 %derUnternehmenausmachen14.Durchdas lokal
vorhandeneKnowhowkonnten sichmanche der kleinenundmittlerenUn-
ternehmen (KMU) inderAutoindustrieals »hiddenchampions«–ökonomisch
13 Unternehmenmitüber250Beschäftigten.
14 67 %derUnternehmenhabenunter250Beschäftigte,23 %sogarunter50Beschäftig-
te.
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik