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KonversionderösterreichischenAuto(zuliefer)industrie? 425
SichtweisenaufundErfahrungenmitAlternativprodukten
Damit Beschäftigte und ihre betrieblichen Interessensvertreter*innen ver-
stärkt zuAkteur*innen eines sozial-ökologischenUmbausderBetriebeund
derBranchewerdenkönnen,brauchteseineOffenheitdafür,andereszupro-
duzierenalsAutoprodukte.EinebesondereIdentifikationmitderProduktion
vonGüternfürdieAutoindustriewäreeinhemmenderFaktor fürStrategien
alternativerProduktion.DabeikommenwirzueinemüberraschendenErgeb-
nis,dasinweiterenForschungenvertieftwerdenmüsste:DieProduktionvon
Autokomponenten scheint, zumindest für die interviewten Betriebsrät*in-
nen, keine hohe Priorität zu haben. So lautete eine Antwort auf die Frage
nach denkbaren alternativen Produkten: »Alles. Undwennwir Cola-Dosen
gemachthätten,Fakt ist,esgehtumdieArbeitsplätze.Waswirproduzieren,
wäreunsegal« (Interviewam25.03.2019).
Wichtiger als für die Autoindustrie zu produzieren ist offenbar die In-
dustriearbeit,wasmit dem relativ hohen Lohnniveau begründetwird.Eine
VerlagerungvonBeschäftigungvomsekundären inden tertiärenBereichsei
demzufolge eingesellschaftlichesProblem,damit ihr einDruckaufdasge-
samteLohnniveauverbundenwäre:
»Essollten Industriearbeitsplätzesein,weildasnatürlichgutbezahlte Jobs
sindunddie brauchenwir auch:Denn es geht umdas ganze Lohnniveau.
Weilesmirnichtnützt,wennichallesinDienstleistungenoderirgendwohin
gebeund ichhabe inWiendanndasLohnniveausoweitunten;dasbringt
esauchnicht […]« (Interviewam25.03.2019).
Zu beobachten ist bei den Belegschaftsvertreter*innen fast durchwegs ein
ausgeprägterProduzent*innenstolz,dersichäußertineinemhohenVertrau-
en indie eigenenFähigkeiten.DasKnowhowsowiedie technologischenKa-
pazitätenwerdenzudemüblicherweiseals vielseitig anwendbarundkeines-
wegsalsaufdieAutomobilproduktionbeschränktangesehen.Sobekräftigten
Betriebsrät*innenunsgegenüberwiederholt,dasssie»allesMögliche«(Inter-
viewam16.04.2019) herstellen könnten.Begründetwirddasmit denhohen
QualitätsansprüchenanAutomobilzulieferer.
Einproduktionsbezogener»automobilerKonsens«scheintdemnacheine
untergeordneteRolle zu spielen.Andieser prinzipiellenOffenheit unddem
MöglichkeitssinnfürdieHerstellungalternativerProduktekönntenundsoll-
tenKonversionsdebattenansetzen.Andererseitskönntees,aufgrundderAf-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Titel
- Baustelle Elektromobilität
- Untertitel
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Autor
- Achim Brunnengräber
- Herausgeber
- Tobias Haas
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 450
- Schlagwörter
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Kategorie
- Technik