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Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
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Die erste Ersteigung de« Großvenedigers Meinung sprechende Umstände daran, ob der Großglockner auch wirklich den Großvmediger an Höhe übertreffe. Der gemeine Mann, der seinem Bernfe nach seinen Blick anf die Berge richten muß, der Jäger und der Aelpler, hatte oft bemerkt, daß die aufgehende Sonne den Gipfel des Vcnedigers viel früher röthet, die nntcrgehcnbe denselben viel später verläßt, als die Spitze des Glockners nnd folgerte daraus, daß die erstere Kuppe höher als die letz- tere sei. Der Gebildete hegte zwar darum Zweifel an der Nichtigkeit dieses Schlusses, weil die frühere und spätere Beleuchtung eines Berges durch die auf- nnd niedergehende Sonne nicht ein nothwendiger Beweis seiner größeren Höhe gegenüber der eines andern Berges, vielmehr häufig von der Lage beider abhängig ist, er konnte dafür deshalb nicht umhin, die Superiorität des Großglockners über den großen Venediger zu bezweifeln, weil ein um die Kenntniß des österreichischen Gebirges vielverdienter Gelehrter, welchen Salzburg mit Stolz zu den Seinen zählt, die entgegengesetzte Vermuthung wiederholt ausgesprochen hatte und sein in der Beurtheilung der Bergverhältnissc so geübter Blick die Richtigkeit auch dieser, auf genaue Beobachtung der streitigen Höhen gestützten Meinung vermuthen ließ. Es schien aber unmöglich, daß die Frage über das Hühenver» hältniß des Großglockners und Großoeuedigers je unwiderlegbar be- antwortet werden könne, weil der Venediger wenigstens bei den Be- wohnern seiner Umgebung für unersteigbar galt. Freilich war mit dieser behaupteten Unersteiglichkeit selbst der Name des Berges in Widerspruch, der davon abgeleitet wurde, daß man von seinem Gipfel die einstige Beherrscherin des adriatischen Meeres, Venedig, sehen sollte und eben, weil diese Thatsache bekannt geworden war, doch Jemand auf der un« ersteiglichm Spitze gewesen und von ihr Venedig gesehen haben mußte. Allein auch dies beunruhigte die Anwohner nicht, indem sie erklärten, der Berg sei ersteigbar gewesen, neuere Veränderungen seiner Gletscher aber hätten seine jetzige Unersteiglichkeit herbeigeführt. Die Meinung über die Unmöglichkeit, den Gipfel des Großue- nedigers zu erreichen, war in ihnen so festgewurzelt, daß sie jeden Versuch einer Venediger-Ersteigung in voraus für ein erfolgloses Unter-
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Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Titel
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Autor
Anton von Ruthner
Verlag
Carl Gerold's Sohn
Ort
Wien
Datum
1864
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
11.8 x 19.2 cm
Seiten
440
Schlagwörter
Alpen, Gebirge, Natur
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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