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Die erste Ersteigung des Großvenedigers
Hemdes bewiesen, daß ihm daran liege, auch im Ueußern als ein flei-
ßiger Aelpler zu erscheinen.^)
Doppelt interessant wurde uns noch der Mann, als wir erfuhren,
daß er, Josef Schwab, Hausstetter Sepft genannt, es sei, dem wir uns
auf unserer gefährlichen Wanderung fast allein anvertrauten, da der
neben ihm sitzende zweite Fuhrer Franz Scharler, der Hofermelker ge-
nannt, schon bei der ersten Auskundschaftung des Weges mehr nur als
Zeuge des Erfolges mit ihm gewesen wäre und auch bei dem bevor-
stehenden Zuge bloß eine untergeordnete Rolle spielen sollte, während
Sepp die Hauptführung übernehme.
Um die Mittagsstunde endlich horten wir in der Richtung von
Mittersill das Schmettern einer Trompete und bald darauf kamen auf
zwei Wagen, wovon auf dem ersten die bereits erwähnte Fahne flatterte,
der Pfleger von Mittersill und mit ihm eine Anzahl einheimischer
Gefährten auf der Alpenreise vor unserem Gasihause an.
Von der Musik von Neukirchen, den bereits versammelten Ve°
nediger°Vesteigern und einer Menge der Bewohner Neukirchens, welche
von allen Seiten herbeigekommen waren, um den seltenen Einzug zu
sehen, begrüßt, wurden die neuen Ankömmlinge von uns sogleich in
das größte Zimmer des Hauses geführt. Es sollte uns als Saal zur
Berathung über die noch zu treffenden Voranstalten dienen.
Sobald wir nicht bloß mit der Berathung, sondern auch mit den
Vorbereitungen zur Bergwanderung selbst zu Ende gekommen waren,
wurde jedem der gewählten Träger sein Gepäcke übergeben und auch dem
vier süßigen Träger, welchen wir für diesen Tag bis zur Alpe gemiethet
hatten, dem Esel eines Hausirenden Italieners, ein seinen Kräften an-
gemessener Theil der Last zugetheilt.
Ich muß gestehen, daß ich es als böses Vorzeichen für die ganze
Besteigung ansah, als wir zur Verpackung der drei zur barometrischen
Im Salzburg'schen setzen nämlich die Aelpler greßen Ruhm darein, ein
sehr schmutzige« Hemd zu haben, weil oie« beweisen soll, baß sie bei
ihrer Arbeit fleißig gewesen seien und ihnen dieselbe viel Schweiß ge-
tostet habe.
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Titel
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Autor
- Anton von Ruthner
- Verlag
- Carl Gerold's Sohn
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.8 x 19.2 cm
- Seiten
- 440
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918