Seite - 296 - in Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Bild der Seite - 296 -
Text der Seite - 296 -
Die erste Ersteigung oe« Großveuebigers
gelagert, auf den Krümmungen des aufwärts ziehenden Weges immer
neue Gruppen kühner Bergsteiger, darunter eine mit der Fahne, zwi-
schen den Tannengruppen gegen uns herankommen sahen und ein in der
heiligen Stille dieses Thales vielleicht noch nie vernommener Ton war
das Schmettern der Trompete, das rings von den hohen Felswänden
wiederhallte. Als wir den Hügel umgangen hatten, kamen wir zu den
ersten Alpenhütten und betraten hierauf das kleine Hochthal, an dessen
Ende wir die großartige Ablagerung des Obersulzbachkeeses gewahr
wurden. Von dem heiligen Geistkeeskogel, welcher von hier aus über
dem Gletscher sichtbar ist, war nur die untere Hälfte frei vom Nebel.
Bald wurde aus diesem Nebel ein Regen und in ihm erreichten wir
die Alphütten, die unser Nachtquartier fein sollten.
Wir hatten nun Muße uns das Thal zu besehen, in dem wir
nns befanden. Dadurch, daß seine östlichen Berge mehr zurücktreten, ist
cs breiter als der untere Theil des obern Sulzbachthales. Seinen
Thalgrund nehmen Alpenweiden ein und auf ihnen liegen die Hütten
der Krausen- und Hollausalpe neben einander, wogegen die dritte, die
Hofer-Hütte, im Hintergrunde ganz nahe dem Gletscher an einem
kleinen isolirtm Felskegel mitten in dem dort wieder engereu Thale steht.
An der westlichen Seite fließt der Sulzbach nur weuig eingeengt, daher
breit und ruhig, am Fuße der Thalwände,^ Diese tragen auf ihrem
Nucken bereits Gletscher und über sie gleitet nahe den äußeren zwei
Alpeuhiitten eiu vorzüglich schöner Wafferfall in das Thal herab,
Hohe und kahle Felsmaueru begrenzen die Ostseite des Thales, seinen
Hintergrund aber bildet über der Moräne des Gletschers sein herr-
licher Absturz, welcher mit seinen Würfeln, Pyramiden und Polygonen
von Eis von so beträchtlicher Höhe und von so steilem Abfalle in
das Thal ist, daß der Sulzbach von dem Punkte, auf dem er der
eigentlichen Oletscherfläche entströmt, bis zur Stelle, wo er den Fuß
der Moräne und damit auch den Thalgrund erreicht, eine nicht bloß
durch ihren Bogensturz, sondern auch durch ihre Hohe ausgezeichnete
Cascade bildet, lleber der Gletscherlehne und dem Wasserfalle endlich
erheben sich die Viskuppeu aus der Venediger Gruppe mit ihren weißen
Häuptern und schließen eines jener magischen Bilder ab, mit denen die
Alpenwelt die Mühen ihrer Verehrer belohnt.
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Titel
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Autor
- Anton von Ruthner
- Verlag
- Carl Gerold's Sohn
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.8 x 19.2 cm
- Seiten
- 440
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918