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Ein Streifzug dies« und jenseits der Tamrii. 325
tauchenden Gletschern einen oder den andern erkannte, sowie in den:
zum Vorschein gekommenen Bergstocke auf der Ostseite die Bauern-
brache. Ueber die später erscheinenden Firnhöhen erlangte ich keine
Gewißheit und verschob daher die Lösung der Frage, ob sie der Glo-
ckerin oder dem Wiesbachhorn angehören, auf eine spatere Zeit. ^)
Immerhin verdient auch die nähere Umgebung der Straße Be-
achtung und insbesondere sieht man noch, bevor man Fürth erreicht
hat, das Bergwerk zu Limberg mit seinem mächtigen Erzsturze ganz
hübsch auf einiger Höhe rechts oberhalb der Straße liegen. Doch ohue
den Neiz der Ansichten des südlichen Hochgebirges hätten mich die
nahen Gegenstände sicher das lange Ausbleiben der Post bei der großen
Hitze nicht so geduldig hinnehmen gemacht.
Ich traf wirklich in Piesendorf um 12 Uhr ein, ohne von der
Briefpost eingeholt worden zu sein. Nun wollte ich sie wenigstens hier
erwarten und trat in das Gasthaus ein, wo sie anzuhalten pflegt.
Geplagt von einer Schani von Fliegen, fühlte ich mich bald
bei elendem Schinken und saurem Wein gerade nicht sehr behaglich
und war schon nahe daran, meinen Weg zu Fuß fortzusetzen, als ein
Wageu vor dem Hause hielt. Es war die ersehnte Post.
Ich trat unter die Thüre und sah nun, daß zwei Herren dcu
Mittelsitz einnahmen. Noch war allerdings ein Platz vorne neben dem
Kutscher, oder eigentlich, da die Briefpost aus einem einspännigen
Steirerwagen besteht, dessen Spritzleder über den Beinen der auf dem
Mittelsitze Befindlichen stets geschlossen werden muß, damit der Kutscher
auf seinem schmalen Brete sitzen kann, auf den Füßen der innen Sitzen-
den frei. Es war mir aber aus früherer Erfahrung bekannt, daß
die Kutscher nicht geneigt sind, einen dritten Passagier aufzunehmen,
weil damit die Last für das einzige Pferd zu schwer wird, und ich
begann daher eben dem Kutscher begreiflich zu machen, daß ich nur
Eine spätere Nekognoöcwmg hat mich davon überzeugt, daß man von
der Mitterfiller Straße aus in Kaprun den hohen Bärenkopf, dann über
dein Fochezkopf die Glockerin und, jedoch nur durch wenige Augenblicke,
das große Wicsbachhorn erblickt.
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Titel
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Autor
- Anton von Ruthner
- Verlag
- Carl Gerold's Sohn
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.8 x 19.2 cm
- Seiten
- 440
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918