Seite - 329 - in Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
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Cin Strcifzug dies- und jenseits der Tauern, 329
Das Mahl war schnell und gut geliefert und besonders bewährten
Rupp's Forellen den alten Ruf. Länger dauerte es bis die Fahrgele-
genheit bereit stand. Der Bräuer hatte seine Pferde nicht zu Hause,
und darum mußte der Pojtmeister anshelfen. Er sandte einen Wagen,
der dem Zeller Vriefpostwagelchen auf's Haar ähnlich sah; nur Gaul
uud Kutscher waren andere.
Als wir dann von Rupp weg durch Mittersill hinausfuhren,
sahen wir zwar manches hübsche Haus, wir gewannen aber alle die
Ueberzeugung, daß Mittersill, wenn es noch in unseren Tagen „Klein-
Venedig" genannt werden wollte, diesen Anspruch höchstens darauf
gründen könnte, daß man bisweilen bei den Ueberschwemnnmgen mit
Kähnen zwischen seinen Häusern herumfährt.
Höchst stattlich thront dagegen das alte Schloß mit seiner Fern-
sicht über das ganze Thal von Pinzgau bis hinab nach Hmidsdorf
und St. Georgen auf der Höhe über dem Markte. Den Eindruck,
den es auf uns machte, verwischte jedoch sogleich ein ungleich gewal-
tigerer, hervorgebracht von einer Scene der Hochgebirgsnatur.
Ganz nahe bei Mittersill öffnet sich südlich beim Dorfe Vclben
das Velberthal. Awa zwei Stunden von Mittersill steigt in ihm
der Archenkogel mitten im bisherigen Thalboden empor nnd veran-
laßt dadnrch des letzteren Spaltung in das westliche, dnrch den
Velbertauern, den Uebergangsftunkt nach Windischmatrcy, geschlossene
obere Velberthal und in das östliche Thal, Anunerthnler Oed,
mit den. zum Kalsertauern sich hinziehenden Gletschern. Bei dem
geraden Laufe des noch vereinten Velberthales nimmt auch von der
Mittersiller Straße gesehen der Berg zwischen den Eckpfeilern des
Thales gegen das Salzachthal und nur etwas weiter als sie zurück-
stehend die Mitte der Thalschlucht ein und man erkennt bestimmt, daß
zu seinen beiden Seiten Thalgründe hinziehen. Der prachtvolle abge-
stumpfte Kegel mit dem, mindestens hente, schneebedeckten Haupte und
den vielgestaltigen, bei der geringen Entfernung genau hervortretenden
Wänden und Felsgraten, frei hinaufstrebend von der Thalestiefe an
seinen beiden Seiten, gab, von den nahen dnnklen Vergen coulissen-
artig eingerahmt, ein Bild ab, das ich für eines der wirkuugsreichsten
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Titel
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Autor
- Anton von Ruthner
- Verlag
- Carl Gerold's Sohn
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.8 x 19.2 cm
- Seiten
- 440
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918