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Ein Gtreifzug dies- und jenseits der Taucni.
ohnehin zu schwer zu ziehen. Meine Reisegefährten wollten über diese
Thatsache mit ihm streiten, ich legte mich jedoch in's Mittel, da ich,
abgesehen von der Persönlichkeit des Nosselcnkers, der sowie äußerlich
eine Erscheinung sehr schwerfälliger Art, ebenso auch von unerschütter-
lichstem Phlegma war, die zarte Sorgfalt der PinMuer für ihre
nichts weniger als schwächlichen Pferde, womit diesen selbst über die
kleinsten Hügel der langsamste Schritt gestattet, ja aufgedrungen wird,
besser kannte als meine Begleiter.
In Folge dieses langweiligen Fahrens hatten wir bis Hieher
ungleich länger benöthigt als gewöhnlich, die Sonne stand schon tief
und doch war erst der halbe Weg bis Krimml zurückgelegt. Wir be-
wunderten also ohne anzuhalten die romantische Lage des Weyerhofs
mit der Ruine nebenan, vorzüglich aber seine Fernsicht in das Thal
von Habach.
Von der Tirolergrenze an das vierte von den vielen von Nor-
den nach Süden auf der Südseite des Salzachthales parallel laufen-
den Seitenthäler« der Tauernkette, ist Habach das kürzeste unter ihnen.
Aus der Hochebene des Venediger Eismeeres fallen von den
Spitzen Grauer Kopf, Schwarzer Kopf, Habachkopf und Hochfürlegg
überragte Gletscher, theilweise in kühnen Abstürzen gleich einer riesigen
Eismauer mit hohen Zinnen bis zum Thalgrmide herab und das durch
die Vereinigung aller dieser Gletscher gebildete große Habachkees wird
häufig für deu prachtvollsten Gletscher Pinzgaus erklärt. Entschieden
ist dieses Kees das großartigste der von der Straße aus sichtbaren
Oletscherbilder, und seinen Eindruck erhöht wieder wesentlich der llm-
stand, daß das bis ins Thal herabwallende Eis auch hier zu beiden
Seiten von nahen schwarzen Tannenwäldern eingerahmt erscheint.
Wir waren gerade vor Neukirchen, als es ? Uhr schlug und
die abendliche Gebetglocke ertönte. Auch Neukirchen, unser Sammel-
platz znr Venediger Ersteigung und^ Nachtlager am Tage der Er-
steigung selbst, in welchem wir nach einem 2Istündigen Marsche über
Felsen und Eisfelder wieder eintrafen, erweckte alte Erinnerungen.
Spater, als wir außerhalb des Dorfes in der Dürrenbachau
angelangt waren, vermehrte ein Zwischenfall unsere heitere Stimmung.
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Titel
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Autor
- Anton von Ruthner
- Verlag
- Carl Gerold's Sohn
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.8 x 19.2 cm
- Seiten
- 440
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918