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Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
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Ein Streifzug dies- m,d jenseits dei Taneni. 333 In dieser großen Au, durch welche die Straße nach Krimml län- gere Zeit geht und links von dieser abzweigend auch der Weg in das Sulzauerthal zum Sulzauer Wasserfall, dann in die beiden Sulzbach- thäler eine Strecke lang hinzieht, haust einer alten Sage zufolge der Geist Putz. Ein marbelfarbiges d. h. marmorfärbiges Männchen, nimmt er bisweilen die Gestalt eines Kalbes an und verwandelt sich dann vor den Augen desjenigen, der ihn erblickt, in kürzester Zeit nach einander in die Gestalten aller jener Altersstufen, welche das Kalb bis zum ausgewachsenen Ochsen durchzumachen hat und deren Termi- nologie nur den Bauern geläufig ist. Seine Macht dauert vom Gebetläuten am Abende bis zu jenem am Morgen, also beiläufig von 7 Uhr Abends bis 5 Uhr Früh. Wehe dem Menschenkmde, welches er in dieser Zeit in der Diirren- bachau antrifft! Er weiß es so irre zu führen, daß es keinen Ans- weg mehr findet, und ist es nicht früher vor Angst gestorben, so kann es nur dann wieder aus der Au gelangen, wenn die Glocke von Neu- kirchen zum Morgengebete ruft. Er selbst aber wird erst dann erlöst werden, sobald sich die Fichte am Eingänge in die Au von Neulirchen aus so gedreht haben wird, daß das darauf befindliche nach Nurben gerichtete Crucifix ostwärts nach Neukirchen blickt. Diese Sage erzählte ich, während wir durch die Dürreubachan fuhren, ganz unabsichtlich meinen Reisegefährten und fetzte hinzu, daß es unglaublich aber doch wahr sei, daß, als ich nach Ersteigung des Venedigers mit noch^ drei oder vier Männern aus der Gesellschaft um ^210 Uhr Abends beim herrlichsten Vollmonde von dem Sulzauer- thale gegen die Dürrenbachau zuschritt, wir einen prächtigen Pinzgauer Burschen von einigen zwanzig Jahren ein paar hundert Schritte von der Au stehen sahen, der uns dann auf die Frage, was er da mache, antwortete, er habe uns schon von ferne kommen gehört und auf uns gewartet, weil er sich des Putzes halber nicht getraue allein durch die Au zu gehen. Da bemerkten wir plötzlich zu unserem Erstaunen, daß der Pinzgauer an der Deichsel in stärkerem Schritte auftrat uud nahnieu zugleich ein ängstliches Umherblicken des bisher unbeweglichen Kutschers wahr.
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Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Titel
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Autor
Anton von Ruthner
Verlag
Carl Gerold's Sohn
Ort
Wien
Datum
1864
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
11.8 x 19.2 cm
Seiten
440
Schlagwörter
Alpen, Gebirge, Natur
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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