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Em Stteifzug dies- und jenseits der Taueru.
Natürlich improvisirte ich noch ein paar Putziaden nnd im an-
ständigsten Trabb ging es vorwärts. Schade, daß das drastische
Mittel nur so lange wirksam war, als wir uns in der Dürrenbachau
befanden, hier aber nützte es entschieden. Bei der Krausencapelle, an
ihrem westlichen Ausgange, zeigt sich der Großvenediger auf kurze Zeit
und wir hielten an, um ihn genau zu betrachten. Er war frei von
Wolken, jedoch die Beleuchtung nicht mehr scharf genug, um auf eine
so bedeutende Entfernung seine Eisabstürze, die Schneide, auf welcher
wir zur Spitze schritten und die Spitze selbst genau anszunehmeu.
Wir hielten uns deshalb mehr an das auf dieser Stelle dargebotene
überraschende Gesammtbild.
In schöner Gruppirung breitet sich nämlich zu untcrst das
freundliche Sulzauerthal aus, darüber erhebt sich der Mitterbcrg, vor
ihin aber steigt rechts das obere und links das untere Sulzbachthal
an, beide ostlich und westlich geschlossen durch schroffes Gebirge von
8—9l)W Fuß Höhe, im Hintergründe dagegen von den Gletschern
der Venediger Grusige, deren Haudt, der Großvenediger, zu oberst die
ganze Breite von Untersulzbach einnimmt.
Bald nachdem wir uns wieder in Bewegung gesetzt hatten, er-
reichten wir das Nosenthal mit der Nuine Hieburg und dem Teufels-
steine. Dort, wo die südlichen Berg« mehr gegen die Straße vortre-
ten und dadurch das Thal enger wird, dämmerte es schon ziemlich
stark. Allein so sehr sich der Tag seinem Ende nahte, so sollte er
uns doch noch Manches bringen, wovon wir bis jetzt keine Ahnung
hatten.
Im Westen in der Richtung der Gerloser Platte und des Ziller-
thales hatte der Horizont einen eigenthümlichen rothen Schein, als
fiele das Licht nicht von einem außerhalb ihrer gelegenen Gegenstande
auf die Wolken, sondern wäre der ganze Himmelsgrund roth und ein
über ihn gezogener grauer Schleier mildere nur die flammende Ro'the.
Noch blickten wir den seltenen Luftton an, da sieht einer der Gefähr-
ten rückwärts, ein Nuf des Erstaunens tönt aus feinem Munde, die
beiden andern folgen der Richtung seines Blickes und sind gleich ihm
ergriffen von Bewunderung.
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Titel
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Autor
- Anton von Ruthner
- Verlag
- Carl Gerold's Sohn
- Ort
- Wien
- Datum
- 1864
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.8 x 19.2 cm
- Seiten
- 440
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918