Seite - 376 - in Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
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378 Möglichkeit, dein Vretinismus Schmnkcn Zu sehen.
und es ist noch überraschender, daß die katholische Kirche die Ehen
von Crctins duldet. Es liegt etwas entsetzlich Groteskes in der
Idee der Einsegnung einer Ehe vun Blödsinnigen, und da man
genau weiß, daß die Krankheit forterbt und sich in späteren Gene-
rationen noch mehr entwickelt, so ist die Gcstattung solcher Ehen
schändlich und ehrlos.^
Der Cretinismus wird also aus zwei Quellen genährt. Ein
Contingent liefern scheinbar gesunde Eltern, das zweite entsteht
durch Vererbung von kranken Personen, Der Ursprung des ersten
ist dunkel und der aus dieser Quelle stammende Cretinismus kann
nicht ausgerottet oder auch nur vermindert werden, bevor man in
das Geheimniß, das ihn umhüllt, eingedrungen ist. Das Heilmittel
für die zweite Klasse ist ein einfaches und liegt in den Händen der
Behörde, namentlich der Geistlichkeit. Man muß Ehen zwischen
den Kranken verbieten, die schlimmsten Fälle unter Aufsicht stellen
und außer der Ehe geborene Cretins in ihren Rechten beschränken.
Blos diese Maßregeln lassen einen Erfolg erwarten. So lange
man die Urquellen der Krankheiten unberührt läßt, ist es unnütz,
Krankenhäuser zu bauen, Wohnungen zu reinigen, Straßen zu
erweitern und kleine Verbesserungen der Lage der Einwohner ein-
treten zn lassen. Alle diese Dinge sind an sich gut, aber einen
vollständigen Umschwung können sie nicht bewirken.
"° Ich muß bemerken, daß wenigstens ewige Geistliche Cretins der schlimm-
sten Art die Einsegnung verweigerten. Alle sollen nicht so eigen sein, aber
ich habe auch wieder Zagen hören, daß CretinZ im Austa-Thale niemals getraut
werden. Die Wahrheit wird wllhl die sein, daß einige Priester gewissenhaft
sind und andere nicht. Da ich su verschiedene Behauptungen hurte, s« bat ich
den Domherrn Carrel in Aosta um Belehrung. Seine Antwort bezog sich nur
auf das Allgemeine und lautete so: „EZ giebt Cretins, die ziemlich verständig
reden, gewisse Wahrheiten in sich aufnehmen und einige Begriffe von den
gesellschaftlichen Pflichten haben, Diefe gehen Zuweilen Ehen ein. Was die-
jenigen betrifft, deren Geist ganz verdunkelt ist, so traut man sie nie,"
Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
- Titel
- Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
- Autor
- Edward Whympers (Friedrich Steger)
- Verlag
- George Westermann
- Ort
- Braunschweig
- Datum
- 1892
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 12.2 x 18.4 cm
- Seiten
- 490
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918