Seite - 455 - in Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
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Ueber den Gebrauch und Mißbrauch des Seils, 455
finden werden. Das eine Seil wird aus Manila-, das andere
aus italienischem Hanf gemacht. Das erste ist das schwerste und
wiegt im laufenden Fuß etwas über eine Unze (103 Unzen auf
100 Fuß). Das letztere wiegt 70 Unzen auf 100 Fuß, aber ich
ziehe das Manilaseil vor, weil es sich leichter handhaben läßt.
Beide Seile halten 168 Pfund aus, die 10 Fuß tief fallen, oder
196 Pfund, die 8 Fuß fallen, und reißen erst bei einem todten
Gewicht von zwei Tonnen. Im Jahre 1865 hatten wir 200 Fuß
Manilaseil bei uns und ließen uns die Unbequemlichkeit, die sein
Gewicht hervorrief, gern gefallen, weil es uns so grüße Sichcr-
heit gewährte. Mehrmals war es uns nützlicher als ein zweiter
Führer.
Nun zu dein Gebrauch des Seils. Es giebt eine richtige
und eine falsche Benutzung desselben. In Gletscherpässcn begegne
ich häufig elegant gekleideten Personen, die offenbar nicht in ihrem
Element sind und denen ein Führer vorausgeht, der sich um sein
unschuldiges Gefolge nicht kümmert. Der Form wegen sind sie
an einander gebunden, haben aber augenscheinlich keine Idee, wes-
halb das geschieht, denn sie gehen neben oder dicht hintereinander
und lassen das Seil auf dein Schnee schleusten. Fällt Einer in
eine Spalte, so sehen die Anderen sich an und sagen: „Nun, was
Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
- Titel
- Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
- Autor
- Edward Whympers (Friedrich Steger)
- Verlag
- George Westermann
- Ort
- Braunschweig
- Datum
- 1892
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 12.2 x 18.4 cm
- Seiten
- 490
- Schlagwörter
- Alpen, Gebirge, Natur
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918