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Linguistic Landscapes auf Postkarten | 51
Phänomene von Plurilingualität heute besondere Relevanz hätten: „[I]n the current
globalized era, we are confronted with increasingly complex sociolinguistic real-
ities that challenge our traditional toolkit to investigate language in society”.14 Die
Perspektive darauf, dass es die Bedingungen der Globalisierung seien, die heute
zusehends hybride sprachliche Praktiken hervorbrächten, verdeckt allerdings die
Tatsache, dass auch historische Gesellschaften intensiv von sprachlicher Mi-
schung und Hybridität geprägt waren. So wies die Habsburger Monarchie kom-
plexe soziolinguistische Realitäten auf, die in der Forschung zusehends verstärk-
tes Interesse erregen.15 Aus einer solchen Perspektive scheint der Ansatz der LL
in besonderer Weise dazu geeignet, auf die Beforschung historisch mehrsprachi-
ger Regionen übertragen zu werden, auch wenn die Erhebung von ‚Daten‘ dabei
auf andere Weise erfolgen muss als bei der Beforschung gegenwärtiger urbaner
oder ruraler Räume. Werden bei letzterer Teile des öffentlichen Raums zum Teil
systematisch nach Schriftzeichen untersucht und Datensätze zumeist auf fotogra-
fischem Weg herstellt, indem etwa Ladenschilder und Geschäftsfassaden im städ-
tischen Raum dokumentiert und ausgewertet werden, ist der Zugang zu histori-
schem öffentlichen Raum nur von vornherein medial vermittelt und in vergleichs-
weise fragmentarischer Weise möglich. Doch gerade die in großer Zahl vorhan-
denen (also durchaus nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ nutzbaren)
Postkarten bieten sich für eine Beforschung aus Perspektive der LL an.
Anspruch des vorliegenden Beitrags soll sein, die Begrifflichkeiten der LL auf
ihre Anwendbarkeit auf historische Postkarten bzw. Phänomene historischer
chrone Persepktive, die historische sprachliche Phänomene in einen Vergleich zur Ge-
genwart bringt. Vgl. A. Pavlenko, „Linguistic landscape of Kyiv, Ukraine: A diachronic
study, Elana Shohamy”, in: Eliezer Ben-Rafael, Monica Barni (Hg.), Linguistic Land-
scape in the City, Bristol 2010, S. 133-151.
14 Luk Van Mensel, Mieke Vandenbroucke, Robert Blackwood, „Linguistic Landscapes”,
in: Ofelia García, Nelson Flores, Massimiliano Spotti (Hg.), The Oxford Handbook of
Language and Society, Oxford 2016, S. 424.
15 Vgl. dazu insbesondere den Beitrag von Johannes Feichtinger in diesem Band. Zur po-
lyglotten Sprachpraxis in der Habsburger Monarchie vgl. z. B. Pieter M. Judson, „En-
counters with Language Diversity in Late Habsburg Austria”, in: Markian Prokopovych
et al. (Hg.), Language Diversity in the Late Habsburg Empire, Leiden/Boston 2019, S.
218-243 (=Central and Eastern Europe. Regional Perspectives in Global Context 9). Ich
verweise hier auch auf das Konzept von Moritz Csáky von „Zentraleuropa als Kommu-
nikationsraum“. Vgl. dazu Moritz Csáky, Das Gedächtnis der Städte. Kulturelle Ver-
flechtungen – Wien und die urbanen Milieus in Zentraleuropa, Wien/Köln/Weimar
2010.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen