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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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56 | Eva Tropper Auch wenn der Zeitgenosse Karl Kraus in diesem durchaus satirischen, also mit Tendenz zur Überzeichnung angelegten Text die grundlegende Asymmetrie nicht anspricht, die die Priorität des Deutschen in der Untersteiermark/Spodnja Štajer- ska auch als Schriftsprache auszeichnete, so ist seine Beobachtung der verschie- denen Formen von Mehrsprachigkeit doch bemerkenswert, zumal diese seiner Einschätzung nach in einem drastischen Widerspruch zu der von den gesellschaft- lichen Eliten bereits massiv ausformulierten nationalen Rhetorik ‚reiner Ethnizi- tät‘ standen. Wenn es in der Folge darum geht, die Perspektiven der Linguistic- Landscapes-Debatte auf Postkarten dieser Region anzuwenden, dann gilt es vor allem, bei der Beurteilung der sprachlichen Verteilungsverhältnisse nicht in dichtotomische Zuschreibungen an dahinter stehende, homogene Sprachgruppen zu verfallen, sondern auch nach dem Gebrauch der Sprachen durch – zum Teil mehrsprachige – Akteurinnen und Akteure zu fragen. Gerade Postkarten zeigen besonders deutlich, dass das Deutsche und das Slowenische in der Untersteier- mark/Spodnja Štajerska in vielfältigen Austauschbeziehungen standen. Sichtbar wird das nicht nur an den Mitteilungstexten32, sondern eben auch an der Ebene der Aufdrucke – und der Art und Weise, wie diese genutzt und verwendet wurden. Die Begrifflichkeiten der LL-Debatte ermöglichen, über Sprache auf Postkar- ten auf andere Weise nachzudenken – und damit auch über Macht- und Vertei- lungsverhältnisse in dieser Region. Aufschlussreich ist, dass Postkarten sowohl einen Anteil staatlicher Steuerung als auch einen Anteil privatwirtschaftlicher Pro- duktion haben, womit, wie bereits ausgeführt, unterschiedliche Ebenen gesell- schaftlicher Machtverhältnisse verknüpft sind. Auch wenn eine strikte Trennung zwischen diesen beiden Sphären nicht sinnvoll ist, soll die zentrale Frage nach der Präsenz der Sprachen auf Postkarten in der Folge nach diesen Ebenen differenziert behandelt werden. ‚Government signs‘ auf Postkarten – zu Fragen nach Sprachenpolitik und staatlicher Steuerung Inwiefern, so eine erste Frage, zeigen sich Spuren einer offiziellen Sprachenpolitik auf Postkarten der Untersteiermark/Spodnja Štajerska? Und welches Verhältnis gehen das Deutsche und das Slowenische dabei ein? Im Bereich Zisleithaniens, dem das Kronland Steiermark zugehörig war, war Mehrsprachigkeit bis zu einem gewissen Grad gesetzlich abgesichert. In der Tat bestand eine der Folgen des österreichischen Staatsgrundgesetzes von 1867, wel- ches das Prinzip der gleichberechtigten Verwendung sämtlicher landesüblicher 32 Vgl. dazu die Beiträge von Karin Almasy und Tjaša Jakop in diesem Band
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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