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58 | Eva Tropper
Betrachtet man das Layout der verschiedenen Ausgaben näher, so ist bezeichnend,
dass der deutsche Begriff jeweils deutlich dominiert – sowohl insofern, als er hie-
rarchisch über dem anderssprachigen Begriff sitzt, als auch in der verwendeten
Schriftgröße. Dennoch bestand mit diesen Korrespondenzkarten eine gewisse of-
fizielle Anerkennung und staatliche Autorisierung von Mehrsprachigkeit.36
Eine weitere Ebene ist in diesem Zusammenhang aufschlussreich, die zwar
kein materieller Bestandteil von Postkarten ist, aber ins Spiel kommt, sobald diese
verwendet und verschickt werden, und zwar die Ebene der Briefmarken und Stem-
pel, die ihrerseits aus Sicht der LL dem Pol staatlicher Autorisierung und Legiti-
mität nahe kommen. Hier ist festzustellen, dass die unterschiedlichen Sprachen
Zisleithaniens auf Briefmarken keinerlei Anerkennung fanden – so blieben diese
bis zum Ende der Monarchie einsprachig deutsch. 37 Poststempel hingegen spielten
eine differenziertere Rolle.38
„So wie im politischen Leben Oesterreichs, so war auch bei den österreichischen Poststem-
peln das Jahr 1871 ein entscheidender Wendepunkt. Während es vor diesem Jahre so gut
wie ausnahmslos nur rein deutsche Poststempel gab, [...] beginnt mit diesem Jahre die Herr-
schaft der doppelsprachigen Poststempel in all jenen Gebieten, die nicht überwiegend
deutsch waren.“39
Von einer „Herrschaft“, wie Edwin Müller 1925 schreibt, kann für die Unterstei-
ermark/Spodnja Štajerska allerdings nicht die Rede sein. So waren etwa in den
drei größeren Städten Maribor/Marburg, Celje/Cilli und Ptuj/Pettau, die als deut-
sche Sprachinseln galten, bis zum Ende der Habsburger Monarchie ausschließlich
deutsche Poststempel in Verwendung; ebenso in einer Reihe von anderen mittel-
großen Orten. Dennoch lässt sich im stark slowenisch geprägten ruralen Raum im
Zeitraum bis 1918 eine zunehmende Tendenz zur Verwendung zweisprachiger
Poststempel feststellen, die im oberen Bereich den deutschen, im unteren den slo-
wenischen Ortsnamen trugen (Abb. 4).
36 Diese Regelungen betrafen auch andere Formularvordrucke der Post wie etwa Postan-
weisungen. Edwin Müller weist darauf hin, dass dieses Zugeständnis auch pragmatische
Gründe hatte, da etwa Postanweisungen davor oft von denjenigen, die die deutsche
Sprache nicht beherrschten, nicht ausgefüllt werden konnten. Vgl. Müller, Sprachen-
streit und Poststempel, S. 9.
37 Müller, Sprachenstreit und Poststempel, S. 9
38 Zu den Poststempeln in der österreichischen Reichshälfte vgl. auch: Wilhelm Klein,
Die postalischen Abstempelungen und andere Entwertungsarten auf den österreichi-
schen Postwertzeichen-Ausgaben 1867, 1883 und 1890, Erster Band, Wien 1967.
39 Müller, Sprachenstreit und Poststempel, S. 10.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen