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60 | Eva Tropper
dem Jahr 1885 für private Gewerbe freigestellt; die Industrie kam allerdings erst
im Lauf der 1890er Jahre in Schwung und kulminierte in einem ersten Höhepunkt
der Produktion ab den Jahren 1897/98, als sich fotomechanische Verfahren in der
Produktion von Postkarten durchsetzten. Sprachzeichen auf privatwirtschaftlich
produzierten Postkarten lassen sich daher dem Pol der „bottom-up“ oder „private
signs“ zuordnen.
Betrachtet man die Ebene des Layouts solcher privat verlegten Postkarten, so
besteht zunächst einmal ein entscheidender Unterschied zu den offiziell veraus-
gabten Korrespondenzkarten darin, dass sie nicht notwendigerweise eine Hierar-
chisierung der Sprachen feststellen lassen. Es finden sich, sowohl bei den Vordru-
cken („Postkarte“, „Korrespondenzkarte“ oder „Dopisnica“, Abb. 5), als auch bei
der Setzung der Ortsnamen, unterschiedliche Varianten und Kombinationen: nur
deutsch, nur slowenisch, zweisprachig mit slowenischer oder deutscher Erstnen-
nung. Die Schriftgrößen bei Ortsnamen konnten, mussten aber keine Hierarchie
bilden; in der Regel waren sie auf zweisprachigen Postkarten gleichrangig gesetzt.
Abb. 5: Ausschnitte aus gewerblich produzierten Postkarten
der Untersteiermark/Spodnja Štajerska mit deutschen, slowenischen
und zweisprachigen Vordrucken
Wie nun aber umgehen mit den Verteilungsverhältnissen auf Postkarten? Anders
als bei Briefmarken oder amtlichen Korrespondenzkarten, die flächendeckend in
Verwendung waren, traten sprachliche Phänomene im Aufdrucktext privat produ-
zierter Postkarten nicht gleichförmig auf, sondern – wie in den zu Beginn dieses
Textes besprochenen Beispielen etwa von Pragersko/Pragerhof oder Griže/Greis
ersichtlich – in spezifischen regionalen und lokalen Häufungen. In dem von uns
durchgeführten Forschungsprojekt war das Zählen quantitativer Verteilungsmus-
ter ein wesentlicher methodischer Zugang. Wir haben in insgesamt neun Instituti-
onen und Privatsammlungen aus Slowenien und Österreich die Bestände nach Or-
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen