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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Seite - 68 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie

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68 | Eva Tropper von gegen gesellschaftliche Machtverhältnisse getroffenen Sprachentscheidungen deutlich. Als Beispiel kann eine Debatte um den Grazer Verleger Anton Schlauer die- nen. Anton Schlauer war als Verleger von Postkarten in Graz tätig, der Hauptstadt des Kronlandes Steiermark; er produzierte aber auch für den Bereich der Unter- steiermark/Spodnja Štajerska.66 Für Maribor/Marburg legte er mehrheitlich deut- sche, aber auch einige slowenisch bedruckte Postkarten auf – und bot sie deut- schen Postkartenhändlern vor Ort zum Verkauf an. Dabei dürfte es sich um mit Abb. 6 vergleichbare Postkarten gehandelt haben. Diese Geste wurde in der zeit- genössischen deutschnationalen Presse als Affront empfunden. So heißt es in der Marburger Zeitung: „Diese Firma besitzt die Impertinenz, deutschen Marburger Ansichtskartengeschäften An- sichtskarten vom Marburger ‚Narodni dom‘ (!) mit dem wie zum Hohne darüber befindli- chen Stadtwappen von Marburg und dem rein windischen Text ‚Narodni dom v Mariboru‘, sowie mit ausschließlich windischem Druck der Adreßseite, die statt Postkarte die Bemer- kung ‚Dopisnica‘ trägt – alles hergestellt in der Marburger Windischen Druckerei – zum An- und Weiterverkaufe zu übersenden. Wer Marburg nicht kennt, müßte beim Anblick dieser Karte den Eindruck gewinnen, daß Marburg eine windische Stadt ist.“67 Interessant erscheint an dieser Textpassage, dass sie aus der Perspektive potenzi- eller Käufer geschrieben ist und klar zum Ausdruck bringt, wie sehr es hier um Fragen von Legitimität geht. Denn nicht nur wird als verwerflich besprochen, dass auf der Postkarte eine Ansicht des Narodni dom – Versammlungsort slowenischer Vereine und symbolischer Bezugspunkt slowenisch-national eingestellter Bewoh- ner/innen der Stadt – zu sehen ist. Als Affront erscheint dem deutschnationalen Schreiber vor allem die Verbindung dieser Ansicht mit dem offiziellen Wappen der Stadt und der slowenischen Schreibung des Ortsnamens – in Kombination mit den sprachlichen Vordrucken auf der Adress-Seite. Deutlich wird die Überzeu- 66 Bemerkenswert erscheint, dass Schlauers Sortiment für Graz, das einen erheblichen slo- wenischsprachigen Bevölkerungsanteil hatte, keinerlei slowenische Elemente aufweist – analog zur generellen Postkartenproduktion für die Hauptstadt, deren ‚deutsches Ge- präge’ von zeitgenössischen nationalen Aktivisten überbetont wurde. Zur ‚deutschen’ Prägung des Grazer Stadtraums vgl. Heidemarie Uhl, „̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦̦ ‚Bollwerk deutscher Kultur‘. Kulturelle Repräsentationen nationaler Politik in Graz um 1900“, in: Dies. (Hg.), Kultur – Urbanität – Moderne. Differenzierungen der Moderne in Zentraleuropa um 1900, Wien 1999 (=Studien zur Moderne 4), S. 39-81. 67 Marburger Zeitung 131, 31. Oktober 1908, S. 5.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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