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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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70 | Eva Tropper Die Frage, welche Wege die Postkarten nach ihrer primären Nutzung genom- men haben, betrifft zunächst einmal die individuelle Ebene des Umgangs mit ihnen. Denn wer bewahrt Postkarten überhaupt auf? Inwiefern ist die Frage, wer dafür Sorge trägt, dass Postkarten einerseits im privaten Kontext nicht verloren gehen und später etwa einer Institution übergeben werden, jedenfalls mit milieu- spezifischen Praktiken zu korrelieren? In vergleichbarer Weise gilt es zu reflek- tieren, in welche institutionellen Zusammenhänge die solcherart erhaltenen Post- karten im Lauf ihrer Objektbiografie geraten sind, und auf welche Weise. War die Sammlung ein Ergebnis gezielter Sammlungspolitik, so wie etwa im Steiermärki- schen Landesarchiv, wo um 1900 unter der Direktion von Josef von Zahn bereits große Mengen der noch heute bestehenden, über 50.000 Objekte zur historischen Steiermark enthaltenden Postkartensammlung, aktiv akquiriert wurden?69 Oder setzt sie sich vor allem aus späteren Schenkungen und Hinterlassenschaften zu- sammen? Welche Sammelinteressen wurden verfolgt? Bildersammlungen, so viel steht fest, sind keineswegs ‚neutrale‘ Räume. Re- zente Forschungen in diesem Bereich haben vor allem darauf hingewiesen, wie fotografische Sammlungen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in intensi- ver Parallelität und Korrespondenz mit Konzepten von Ethnizität und Nation ent- standen sind.70 Auch heute noch sind Postkartensammlungen in der Regel nach geografischen Kriterien organisiert und haben ihre ‚natürlichen’ Grenzen in der Regel in lokalen, regionalen oder an Staatsgrenzen orientierten Sammelkonzep- ten, woraus sich jeweils unterschiedliche Sammlungsstrategien ableiten. Die Frage nach sprachlichen Phänomenen innerhalb solcher Sammlungen ist meines Wissens noch nicht als Forschungsfrage formuliert worden, stellt sich in unserem Zusammenhang aber als naheliegende Pointierung. Eine vergleichende Auswertung der Verteilungsmuster von Aufdrucktexten in jenen Institutionen/Sammlungen, die wir im Rahmen des Forschungsprojekts un- tersucht haben, zeigt durchaus unterschiedliche Verteilungen von deutschen, slo- wenischen und zweisprachigen Aufdrucktexten.71 (Abb. 7) So bildet sich die ge- zielte Sammelpolitik des Steiermarkischen Landesarchivs um 1900 in einem ver- gleichsweise massiven Übergewicht deutsch bedruckter Postkarten ab. Würde man exklusiv mit einem solchen Bestand arbeiten, ergäbe sich ein ganz anderes 69 Zu planmäßig angelegten Fotosammlungen um 1900 vgl. v.a. Estelle Sohier, Olivier Lugon, Anne Lacoste, „Les collections de photographies documentaires au tournant du XXe siècle. Introduction“, Transbordeur Photographie 1 (2017), S. 8-17. 70 Constanza Caraffa, Tiziana Serena (Hg.), Photo Archives and the Idea of Nation, Berlin-München-Boston 2015 71 Vgl unsere detaillierte Auswertung im Rahmen von POLOS: https://gams.uni- graz.at/archive/objects/context:polos/methods/sdef:Context/get?mode=statistics
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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