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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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78 | Karin Almasy Von der zweisprachigen Untersteiermark, dem südlichsten Teil des Kronlan- des Steiermark, in dem vor allem in den Städten Deutsch, auf dem Land aber Slo- wenisch dominierte, zeichnen Postkarten ein differenziertes, buntes Bild einer zweisprachigen Region um 1900. Während Deutsch unumstritten als Amtssprache Zisleithaniens, als Sprache der höheren Bildung und als Lingua franca innerhalb der Monarchie einen höheren Status genoss, war das Slowenische in einer inferi- oren Position, zumal es erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer normierten Schriftsprache ausgebaut wurde. Deshalb verwundert es nicht, dass vor allem in den untersteirischen Städten – als verdichteten Zentren von Macht, Bildung und Kommunikation – das Deutsche in der öffentlichen Sphäre sowie auch in den Umgangssprachenergebnissen absolut dominierte.6 Städte wie Mari- bor/Marburg, Celje/Cilli und Ptuj/Pettau waren um die Jahrhundertwende domi- nant ‚deutsche‘ Städte, wobei diese sprachliche Stratifikation wie in früheren, a- nationalen Zeiten immer noch auch ein soziales Merkmal war: Deutsch war die Sprache des gebildeten, städtischen Bürgertums, Slowenisch die Sprache der länd- lichen Bevölkerung.7 Dennoch aber wuchsen die Städte ja auch durch den Zuzug aus ihrem Umland stark an, und dieses ländliche Umland war mehrheitlich slowe- nischsprachig und agrarisch-ländlich geprägt. Die Frage des Sprachgebrauchs hatte in der Untersteiermark also sowohl eine soziale als auch eine geografische Komponente – und da uns Postkarten auch aus den kleinsten Orten vorliegen, kann man sich durch sie durchaus sinnvoll den realen Lebens- und Sprachverhältnissen von damals annähern. Durch Postkarten können, wie in weiterer Folge gezeigt werden wird, nationale Indifferenz, religiöse Bekenntnisse, selbstverständlicher Sprachkontakt, zweisprachige Kommunikationsweisen, Bildungsgrad und All- tagssorgen der breiten Bevölkerung aufgezeigt werden, wenn man den Quellen- wert dieses Mediums zu nutzen weiß. 6 Maribor/Marburg wies in den Volkszählungen ab 1880 stets einen Anteil um bzw. über 80%; Celje/Cilli nie weniger als 64% deutscher Umgangssprache auf. Vgl. k.k. statisti- sche Central-Commission, Oesterreichische Statistik. Die Bevölkerung der im Reichs- rat vertretenen Königreiche und Länder nach Religion, Bildungsgrad, Umgangsspra- che und nach ihren Gebrechen von 1880, Wien 1882, S. 26f. 7 Zum Stadt-Land-Gegensatz in der Untersteiermark – die ‚deutschen‘ Städte und das ‚slowenische‘ Umland –, der in vornationaler Zeit ein ständisch-sprachlicher war, ab dem einsetzenden Denken in nationalen Identifikationskategorien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch zu einem ‚nationalen‘ Unterschied wurde, vgl. bereits Ka- rin Almasy, Wie aus Marburgern "Slowenen" und "Deutsche" wurden. Ein Beispiel zur beginnenden nationalen Differenzierung in Zentraleuropa zwischen 1848 und 1861, Graz, Bad Radkersburg 2014, S. 63-71.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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