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Der Quellenwert handschriftlicher Spuren auf Postkarten | 79
DER QUELLENWERT HANDSCHRIFTLICHER
POSTKARTENTEXTE FÜR MEHRSPRACHIGE REGIONEN
DER SPÄTEN HABSBURGER MONARCHIE
Für welche Forschungsfragen kommt nun eine Arbeit mit Postkarten und insbe-
sondere mit den handschriftlichen Individualtexten auf Postkarten in Betracht?
Für welche hingegen nicht? Schließlich soll nicht verschwiegen werden, dass sich
Postkarten für die Beantwortung gewisser Fragestellungen kaum eignen. Und wie
und in welcher Menge müssen Postkarten hierfür verwendet und ‚gelesen‘ wer-
den?
Grundsätzlich sehr brauchbar sind Postkartentexte als Quellenmedium für Fra-
gestellungen der Sozial-, Alltags- und Mikrogeschichte, für Fragen nach Einstel-
lungen, Identifikationen oder alltäglichen Beschäftigungen breiter Teile der Be-
völkerung. Auch Historikern sei hierbei ein soziolinguistischer Zugang empfoh-
len: Oftmals können wertvolle Schlüsse über die Schreibenden nicht nur über das
Was, sondern auch über das Wie, den konkreten sprachlichen Ausdruck in schrift-
lichen Mitteilungen auf Postkarten gezogen werden. Dabei kann es sich sowohl
um religiöse, ständisch-soziale, berufliche, regionale oder nationale Zugehörig-
keitsgefühle handeln, denen Postkartenschreiber manchmal in kurzen Zeilen Aus-
druck verliehen. Anhand einer ausführlichen Analyse einzelner Karten sind dabei
oft unterschiedliche Rückschlüsse auf den jeweiligen Sender, seine Lebensum-
stände und seine individuellen Identifikationen möglich.8
Postkarten sind zudem ein ideales Quellenmedium für Ansätze aus dem Be-
reich der Mikrogeschichte.9 Sie ermöglichen nämlich einen kulturanthropologi-
schen Blick ‚von unten‘, einen Blick in den Alltag, zoomen auf kleine Ausschnitte,
8 Vgl. dazu bereits Karin Almasy, „The Linguistic and Visual Portrayal of Identifications
in Slovenian and German Picture Postcards (1890–1920)“, Austrian history yearbook
49 (2018), S. 41-57; Martin Sauerbrey, „Danes na peči faulencam. Jutri grem pa na
‚Jegerbal‘” - Was man aus Postkarten aus der Untersteiermark aus den Jahren 1880–
1920 lernen kann“, VII. Jahresschrift des Pavelhauses 2017, S. 102-117.
9 Vgl. einen Überblick über die Methodologie der Mikrogeschichte: István M. Szijártó,
„The capacities of microhistory“, Vilmos Erős (Hg.), Approaches to historiography,
Debrecen 2016, S. 191-197; ausführlich: Sigurður G. Magnússon, István Szíjártó, What
is microhistory? Theory and practice, Milton Park, Abingdon, Oxon 2013; siehe auch
die theoretisch-methodologischen Überlegungen in der exzellenten mikrogeschichtli-
chen Studie von Otto Ulbricht, „The World of a Beggar around 1775: Johann Gottfried
Kästner“, Central European History 27 (1994), S. 153-184. Zur Genese und den Cha-
rakteristika mikrogeschichtlicher Studien vgl. Carlo Ginzburg, „Microhistory: Two or
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen