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Der Quellenwert handschriftlicher Spuren auf Postkarten | 81
Segen und Fluch der Postkarten ist deren schier endlose Quantität. Vollstän-
digkeit und Repräsentativität kann bei einem so massenhaft vorhandenen Quel-
lenmedium wie der Postkarte demnach nie gegeben sein: Niemand kann behaup-
ten, einen Überblick über ‚alle‘ zirkulierten Postkarten in einer Region zu haben.
Anzustreben ist daher Intersubjektivität, indem man sich einen Überblick über
verschiedene Sammlungen mit unterschiedlichen Sammellogiken verschafft.11
Durch einen solchen größeren Überblick wird der Blick dafür geschärft, was als
‚typisch‘ und ‚häufig‘ und welche Phänomene auf Postkarten als ‚selten‘ und ‚au-
ßergewöhnlich‘ gelten können. Werden Einzelbeispiele quellenkritisch aufgear-
beitet, sollte die Häufigkeit eines Phänomens nach Möglichkeit mitbesprochen
und nicht verschwiegen werden.
Während für Fragestellungen zu Identifikationen, Zugehörigkeitsgefühlen,
Bildungsgrad, Arbeitsmigration etc. einzelne Beispiele ausführlich besprochen
werden, also qualitativ gearbeitet werden kann, können für bestimmte andere Fra-
gestellungen größere Mengen von Postkartentexten herangezogen, es kann also
quantitativ gearbeitet werden – beispielsweise, wenn die Frage nach Sprachver-
teilungen in verschiedenen Spielarten der schriftlichen Kommunikation oder die
Frage nach der Präsenz von Sprache im öffentlichen Raum in gemischtsprachigen
Regionen der späten Habsburger Monarchie im Fokus steht.12 Eine weitere Mög-
lichkeit ist die Arbeit mit größeren Postkartenkonvoluten, z. B. Postkartenalben
einer Person/Familie, wie man sie häufig in Nachlässen und auch in institutionel-
len Postkartensammlungen finden kann.13 Der Vorteil solcher Konvolute besteht
11 Vgl. dazu auch Eva Tropper in diesem Sammelband.
12 Als Tool für größere Mengen an Postkarten aus der Untersteiermark/Spodnja Štajerska
empfiehlt sich hierfür unser im Rahmen unseres Forschungsprojektes erstelltes Bildar-
chiv POLOS, das mit Filtern und Suchanfragen einen Überblick über größere Daten-
mengen ermöglicht. Siehe POLOS online: http://gams.uni-graz.at/context:polos Vgl.
dazu auch Martin Sauerbrey und Eva Tropper in diesem Sammelband. Dazu, wie Spra-
che auf Postkarten verwendet werden kann, um die Linguistic landscape einer Region,
das Vorhandensein von Sprache(n) im öffentlichen Raum, zu rekonstruieren, siehe me-
thodisch v. a. Rodrique Landry, Richard Bourhis, „Linguistic Landscape and Ethnolin-
guistic Vitality. An Empirical Study“, Journal of Language and Social Psychology 16
(1997), S. 23-49.
13 Vgl. Eva Tropper, „Das Postkartenalbum als Ordnungsraum. Die 99 Reisen der Else
E.“, in: András Balogh, Christoph Leitgeb (Hg.), Reisen über Grenzen in Zentraleu-
ropa, Wien 2014, S. 205-220; Eva Tropper, „Die Postkartenalben von Richard und
Fanny Schaukal“, in: Eva Tropper, Timm Starl (Hg.), Format Postkarte. Illustrierte
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen