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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Seite - 87 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie

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Der Quellenwert handschriftlicher Spuren auf Postkarten | 87 Der handschriftlich verfasste Grußtext in zwei Sprachen belegt tatsächlich, dass es sich um einen im August 1912 unternommenen Ausflug einer Gruppe handelte: Dass hier von verschiedenen Schreiberinnen, die miteinander unterwegs waren, zwei verschiedene Sprachen verwendet wurden, kann als Indiz für selbstverständ- liche und friedliche (und nicht konfliktbehaftete) Zweisprachigkeit vor allem in ländlichen Grenzregionen gelten. Ebenso lassen sich aber auch Beispiele finden, in denen sich ein Postkartensender spielerisch zwischen zwei Sprachen bewegt, sich also beider Sprachen gleichberechtigt bedient. Es soll allerdings nicht ver- schwiegen werden, dass solche Beispiele für Code-Switching eher selten sind. Ein solches Beispiel ist die Postkarte in Abb. 4, auf der eine gewisse Milka ihrer Freundin Mitzi aus Radkersburg/Radgona eine Mehrbildpostkarte schickt und da- bei die einzelnen kleinen Bildchen mit launigen Botschaften einmal auf Slowe- nisch und einmal auf Deutsch versieht. Der Haupttext wurde dann aber auf Deutsch verfasst. Aufgrund der Handschrift ist klar, dass sowohl die slowenisch- sprachigen wie auch die deutschsprachigen Botschaften von derselben Schreiberin stammen. Beider Sprachen bedient sich Milka scheinbar mühelos und wechselt spielerisch zwischen ihnen hin und her. Ein solcher Sprachgebrauch zeugt nicht nur von der Zweisprachigkeit der Schreiberin, sondern impliziert dabei ebenso, dass die Empfängerin der Karte, Mitzi, ebenso mühelos beide Sprachen verstand. [Text bei den einzelnen Bildchen:] „Kako pa si!? Sama ostala. || Lumpamo kar naprej. […] || Pismo sledi. || Es ist pünktlich 2 Uhr früh. Piši kaj!! || 1000 sladkih poljubčkov Milka || […] Prstan imam jaz. || Še kaj lumpate [?] [Haupttext:] Liebe Frau Tavornik! Verzeihe mir mein langes Stillschweigen. Mir geht es sehr gut. Bin schon zirka 1 Monat hier. […]“ [Übersetzung: 'Wie geht es dir!? Allein geblieben. Wir lumpen [feiern] einfach weiter. […] Brief folgt. Es ist pünktlich 2 Uhr früh. Schreib mal was!! 1000 süße Küsse Milka Den Ring habe ich. Lumpt ihr noch [?]'] „Srčne pozdrave iz prav | prijetne družbe! Poljub! | Fani | Von einem fidelen | Ausflug herzliche Grüße | Agathe Falke | Helene Blass“ [Übersetzung: 'Herzliche Grüße aus wirklich angenehmer Gesellschaft! Kuss! Fani. Von einem fidelen Ausflug herzliche Grüße Agathe Falke Helene Blass']
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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