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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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108 | Theodor Domej wer gerne slowenische Lieder singt, behält sein unverdorbenes und frohes Herz und alle werden ihn gernhaben, er wird von jedermann geliebt und verehrt wer- den. Noch ein herzlicher letzter Gruß von eurem einstigen Lehrer, der euch nie vergessen wird. Drago Doberšek.'] Der Lehrer verwendet dabei die slowenische Entsprechung seines Namens Kar(e)l in der Form „Drago“, was ihn – auch gegenüber seinen ehemaligen Schülerinnen und Schülern – als bewussten Slowenen ausweist. ANSICHTSKARTEN SCHREIBEN ALS KOMMUNIKATIVER AKT Die eben beschriebenen komplexen soziolinguistischen und politischen Zustände in der Kärntner Gesellschaft wirkten sich auch auf einen scheinbar ganz harmlosen Nebenschauplatz der alltäglichen Schriftkultur aus, nämlich auf das Schreiben von Ansichtskarten. Das Verfassen einer Nachricht auf Ansichtskarten ist eine Sprach- handlung und ein überlegter kommunikativer Akt. Zum Tragen kommen somit grundlegende Erkenntnisse der Wissenschaft von der menschlichen Kommunika- tion. Der Philosoph, Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (1921–2007) entwickelte ein Kommunikationsmodell, welches der Ansichtskartenanalyse zugrunde gelegt werden kann. Eines seiner Axiome lautet: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungs-Aspekt“.8 Diesen Ansatz verfeinerte Friedemann Schulz von Thun.9 Jede Nachricht aus dem Be- reich der zwischenmenschlichen Kommunikation stellt für ihn ein Bündel mit vier Seiten (Aspekten) dar. Die einzelnen Komponenten benannte er als Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Ebenso verfügt der Empfänger über die Kompetenz, alle diese Aspekte einer Nachricht wahrzunehmen. Ohne auf Ein- zelheiten eingehen zu können, gilt es, als das Besondere an den im Postweg be- förderten Ansichtskarten die Kombination von Abbildung und Schriftinhalt her- vorzuheben. Jede ihrer Komponenten kann zwar für sich allein im Hinblick auf die transportierte Nachricht analysiert werden, doch gehören beide zusammen, 8 Paul Watzlawick, Janet Beavin Bavelas, Don D. Jackson, Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien, Bern, Stuttgart, Wien 1974, hier S. 56. 9 Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden 1, Störungen und Klärungen. Allge- meine Psychologie der Kommunikation, Reinbek bei Hamburg 1981 (= rororo Sach- buch 1490).
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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