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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Wie die Nadel im Heuhaufen | 115 SCHAUPLATZ KÄRNTEN In den Kärntner Zeitungen erschienen regelmäßig Notizen über Ansichtskarten, die von Kärntner Verlagen auf den Markt kamen. Eine frühe (die erste überhaupt?) Information erschien 1892 in den Freien Stimmen: „Gruß aus Klagenfurt. Diese Losung tragen bei F. v. Kleinmayr erhältliche Correspondenzkarten, welche An- sichten aus unserer Stadt zeigen und sehr gefällig ausgestattet sind. Preis 5 kr.“23 In den Folgejahren wurden in Kurzbeiträgen die größeren Kärntner Verlage be- rücksichtigt, die Ansichtskarten druckten, zum Teil selektiv nach ideologischen Lagern. Die Freien Stimmen, die Zeitung des deutschnationalen Lagers, berichtete etwa detailliert über die Neuheiten der Firmen Joh. Leon sen. (in dieser Druckerei wurden auch die Freien Stimmen gedruckt), Ferd. von Kleinmayr, Birnbacher und einiger lokaler Initiatoren und Verleger. Über Ansichtskarten, die vom katholi- schen St. Josephs-Verein verlegt wurden, gab es verächtliche Anmerkungen und Anschuldigungen, sich des geistigen Diebstahls schuldig gemacht zu haben.24 An- dererseits berichtete das Kärntner Tagblatt (das Blatt des katholischen Lagers) vorzugsweise über Ansichtskarten eben dieses St. Josephs-Vereins.25 Für national orientierte Personen war es nicht einerlei, in welcher Sprache die Ansichtskartenaufdrucke waren. Deshalb waren Verleger und Herausgeber manchmal scharfer Kritik ausgesetzt. Die Freien Stimmen riefen sogar zum gene- rellen Boykott der bekannten Wiener Ansichtskartenfirma Schwidernoch auf, weil diese „sich nicht [scheute], Karten mit rein tschechischen Bezeichnungen sowohl für rein tschechische, wie gemischtsprachige Orte zu liefern“. Nicht nur, dass die Firma bezichtigt wurde, „was Ausführung der Ansichtskarten anbelangt, das Schlechteste“ zu liefern, sie wurde streng gerügt, weil „sie sogar ihren Namen in tschechischer Sprache auf die Karten setzte.“ Deshalb erging an die „deutschen Verschleißer von Ansichtskarten und alle deutschen Sammler und Touristen die Aufforderung, überall die Erzeugnisse dieser Firma zurückzuweisen.“26 Es ist an- zunehmen, dass es diese Art von Disziplinierung wohl auch gegen Kärntner Ver- leger gegeben hätte, hätten diese in hoher Zahl Ansichtskarten von Kärntner Orten mit slowenischen oder zweisprachigen Ortsbezeichnungen auf den Markt gewor- fen. Ob nun bei den Kärntner Ansichtskartenverlegern Joh. Leon sen. und Ferd. von Kleinmayr die Vermeidung von slowenischen Ansichtskarten als Folge einer verinnerlichten deutschnationalen Einstellung oder einer direkten Einflussnahme 23 Freie Stimmen, 18. 08. 1892, Nr. 98/99, S. 4 24 Freie Stimmen, 19.01. 1907, Nr. 6, S. 7. 25 Maria Klaus, Kronland Kärnten. Alte Ansichtskarten, Klagenfurt 1987, Einleitung. 26 Freie Stimmen, 23. 09. 1899, Nr. 76, S. 5.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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