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132 | Theodor Domej
slowenischer Sprache häufiger und innerhalb derjenigen, die sich für die nationale
Gleichberechtigung einsetzten, mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit. Im Be-
reich der Ansichtskarten verstärkte sich dieser Trend und erreichte auch einen Teil
der breiten Bevölkerungsschichten slowenischer Sprache, soweit er von der
Schule überhaupt in den Stand versetzt wurde, die slowenische Schriftsprache zu
gebrauchen. Sie zeigen persönliche Vernetzungen auf und auf diese Weise erwei-
terten scheinbar nebensächliche Postkarten informellen Charakters unter anderem
den Kreis der Anhänger der slowenischen Emanzipationsbewegung.
Von Interesse wäre, auf die Quantität und Qualität der geschriebenen slowe-
nischen Sprache der Inhaltstexte einzugehen und sie mit dem in Kärnten beheima-
teten Bevölkerungsanteil in Beziehung zu setzen. Mittelbar und unmittelbar sagt
die Sprachendistribution auf Ansichtskarten etwas über die Position der sloweni-
schen Sprache im Bildungsbereich aus. Durch die Nebenrolle, die dem Sloweni-
schen in den Elementarschulen zugewiesen wurde, war gleichsam dessen Rolle
auf den Ansichtskarten, wenn wir nur diese als Maßstab nehmen, schon vorbe-
stimmt. Faktum ist, dass die slowenische Sprache auf den Ansichtskarten krass
unterrepräsentiert war, was auf die subalterne Rolle des Slowenischen im schrift-
lichen Bereich hinweist. Offenbar wurde mit dem Deutschen Schriftlichkeit ver-
bunden, mit dem Slowenischen die mündliche Kommunikation und darüber hin-
aus fehlte der Mehrheit der Bevölkerung slowenischer Sprache die Kompetenz,
sich schriftlich in ihrer Sprache auszudrücken. Ausnahmen gab es, allerdings nicht
viele. Sie beschränkten sich auf eine kleine Gruppe von Studierenden und Gebil-
deten sowie diejenigen, die sich aus innerem Antrieb heraus hauptsächlich im au-
ßerschulischen Bereich Kenntnisse der geschriebenen Form der slowenischen
Sprache angeeignet hatten.
Hat sich in der Sprachendistribution im Lauf der Zeit etwas verändert? Ja, in
Bezug auf die slowenische Sprache gab es durchaus einen positiven Wandel. Als
im Revolutionsjahr 1848 erstmals die Gleichberechtigung der Nationalitäten pro-
klamiert wurde, waren die gesellschaftlichen Positionen der beiden in Kärnten ge-
sprochenen Sprachen derart gefestigt, dass eine Gleichrangigkeit vielen Angehö-
rigen der gesellschaftlichen Eliten undenkbar schien. Gewaltige Unterschiede gab
es im Bereich der schriftlichen Kommunikation, und zwar nicht nur im staatlichen
und sonstigen öffentlichen Bereich, sondern auch im privaten. Der Aufholprozess,
nicht zuletzt durch die politischen Veränderungen ermöglicht, setzte schon in der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein und machte im 19. Jahrhundert trotz be-
stehender Hemmnisse Fortschritte. In den persönlichen Korrespondenzen von
Trägern der slowenischen Emanzipationsbewegung untereinander und denjeni-
gen, die ihnen nahestanden und die slowenische Schriftsprache beherrschten,
setzte sich allmählich die slowenische Sprache durch. Was um die Mitte des 19.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen