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134 | Theodor Domej
der sozialen und gesellschaftlichen Stellung des Empfängers und der Wohnad-
resse mit Ortsangabe, Poststelle und Landesnamen). Alle Ansichtskarten mit slo-
wenischen Elementen im Anschriftenteil weisen auch slowenische Inhaltstexte
auf. Aus diesem kleinen Sample ist abzuleiten, dass der Gebrauch der sloweni-
schen Sprache im Adressenteil – auch wenn er nur geringfügig war – den Ge-
brauch der slowenischen Sprache im Inhaltstext mit Sicherheit voraussagte, der
Gebrauch der deutschen Sprache im Anschriftstext jedoch nicht automatisch den
Gebrauch des Deutschen im Inhaltstext nach sich zog. Dieses Faktum bildet zum
einen die Position der slowenischen Sprache in der Öffentlichkeit und zum ande-
ren die höhere ‚Neutralität‘ des Deutschen im Postverkehr ab. Der Gebrauch der
slowenischen Sprache war also auch zu Zeiten der verfassungsmäßig abgesicher-
ten Gleichberechtigung der Nationalitäten (Artikel 19 des Staatsgrundgesetzes
von 1867) eine merkmalhafte Handlung. Dabei ist im konkreten Fall anzumerken,
dass die angeschriebene Familie zum Kreis der slowenisch-‚nationalbewussten‘
Kärntner gehörte und darüber hinaus die slowenische Sprache auch in ihrer
schriftsprachlichen Form pflegte. Die Texte zeugen von hoher sprachlicher Kor-
rektheit und sind gewiss Resultat der außerschulischen Pflege der slowenischen
Sprache. Der Absender mehrerer Ansichtskarten war akademisch gebildet und
wurde 1920 an der Universität Ljubljana zum Universitätsprofessor für Kirchen-
recht bestellt. Aus diesem kleinen Konvolut kann aber nicht auf den ‚Mittelwert‘
über den Gebrauch des Slowenischen in Südostkärnten geschlossen werden, denn
dieser war sicher merklich niedriger als im Kreis jener Familie.
EINIGE SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die bisherigen Publikationen über Ansichtskarten in Ländern mit slowenischer
Bevölkerung legen den Schluss nahe, dass es im Vergleich zu den anderen zisleit-
hanischen Kronländern mit slowenischsprachiger Bevölkerung in Kärnten die we-
nigsten Beispiele mit slowenischen oder zweisprachigen Ortsbezeichnungen gab.
Erst in einigem Zeitabstand zu Ansichtskarten mit deutschen Ortsbezeichnungen
kamen solche mit slowenischen oder deutsch-slowenischen Aufdrucken in Um-
lauf (falls es zutrifft, dass in Kärnten die erste slowenische Postkarte erst 1898
erschien). Auf Ansichtskarten gab es in Kärnten keinen erkennbaren Sprachen-
wettlauf oder er war schon zu Beginn des Ansichtskartenbooms entschieden. Die
nur deutschsprachigen Ansichtskarten dominierten von Anfang an auch in Gebie-
ten mit weitaus überwiegender Bevölkerung slowenischer Sprache. Nur ein ganz
kleiner Teil der Ansichtskarten war slowenisch-deutsch, deutsch-slowenisch oder
nur slowenisch bedruckt. In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Titel
- Bildspuren – Sprachspuren
- Untertitel
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Autoren
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Herausgeber
- Eva Tropper
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 346
- Schlagwörter
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen