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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Laibach, Lemberg, Czernowitz | 141 krainerischen Umland gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Zentrum der sloweni- schen nationalen Bewegung heraus. Die anderen Städte mit slowenischsprachi- gem Umland kamen dafür nicht in Frage: Maribor/Marburg und Klagenfurt/Celo- vec waren mehrheitlich deutschsprachig, in Trieste/Triest/Trst waren das Italieni- sche und das Deutsche starke Konkurrenten für das Slowenische. Dazu kam, dass die slowenische Literatursprache ihre Vorbilder in Texten sah, die großteils in Krain entstanden bzw. von Krainern geschrieben worden waren – seien es die re- ligiösen Übersetzungen Primož Trubars oder Jurij Dalmatins aus dem 16. Jahr- hundert, seien es Texte der Krainer Vodnik oder Linhart aus dem 18. Jahrhundert, und vor allem hatte auch der slowenische ‚Goethe‘ der ersten Hälfte des 19. Jahr- hunderts, France Prešeren, seine Heimat in Oberkrain. Vor diesem Hintergrund müssen wir das Auftauchen der Korrespondenzkarte (später der bebilderten Post- karte) sehen, um zu verstehen, warum ein ähnlicher Befund nicht annähernd auch für Maribor/Marburg, Klagenfurt oder Triest/Trieste/Trst erstellt werden kann. Die mehrsprachigen Korrespondenzkarten wurden in Österreich-Ungarn offi- ziell im Jahre 1871 eingeführt.11 In seinem einleitenden Beitrag zur Postkarten- publikation Pozdrav iz Ljubljane (1986)12 zeigt der profundeste Kenner sloweni- scher Postkarten, Walter Lukan, Beispiele aus dem Jahre 1873, die bereits mit der Genre-Angabe „Correspondenz-Karte. Listnica“ (1873) und wenig später (1873 bzw. 1880) mit der danach üblichen slowenischen Entsprechung dopisnica, einer Entlehnung aus dem čech. dopisnice13, versehen sind. Auch für Ljubljana gilt, was für die Frühzeit der Postkarte überall gesagt werden kann: Die Auswahl der Auf- drucktexte, ja bisweilen sogar die Frage der Sprachwahl seitens des Postkarten- Versenders ist vor allem eine Frage der Machtverhältnisse sowie der ökonomi- schen oder sonstigen pragmatischen Erfordernisse. Postkarten werden von Men- schen geschrieben, die zunächst des Schreibens und Lesens kundig sein müssen, sich zum Zeitpunkt des Schreibens oft nicht in ihrem eigentlichen Wohnort/Auf- enthaltsort befinden und außerdem sehr oft überregionale Kommunikationsakte vollziehen (Dienst- und Geschäftsreisende, Touristen, usw.). Postkarten starten auch weitgehend als „deutsche Mode“. So ist erklärlich, warum vor allem in der Frühzeit der Postkarten für Ljubljana sehr viele rein deutsche Aufdrucktexte oder zumindest (und zunehmend) zweisprachige Karten festgestellt werden können. Im zitierten Bildband Pozdrav iz Ljubljane sind, unabhängig von der Sprache der Aufdrucktexte, die frühesten Karten ab 1895 feststellbar, in der Sammlung des 11 Ausführliches dazu im Beitrag von Eva Tropper in diesem Band. 12 Walter Lukan, „H kulturni zgodovini razglednic“, in: Marjan Krušič (Hg.), Pozdrav iz Ljubljane. Mesto na starih razglednicah, Ljubljana 1986, S. 6-23, hier: S. 6-7. 13 Korrespondenz-Karte, gebildet aus dt. korrespondieren, čech. dopisovat si, davon čech. dopisnice.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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