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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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150 | Heinrich Pfandl LWÓW UND LEMBERG, LWÓW UND LÉOPOL, FREMDBESTIMMT L ‘ VOV UND FAST NIE L ‘ VIV. Lwów/L ‘ viv/Lemberg ist die bei weitem größte der drei hier zu besprechenden Städte, und außerdem die Hauptstadt des bevölkerungsreichsten Kronlandes der Habsburgermonarchie. Da diese Stadt die Hauptstadt von gesamt Galizien war, in welchem die Polen die stärkste Bevölkerungsgruppe darstellten, war die polnische Elite dran interessiert, die Stadt als dominant polnisch darzustellen, was ange- sichts der Bevölkerungsverhältnisse auch nicht schwer fiel: 188021 führten von 107.734 Einwohnern 91.870 (85,2%) an, Polnisch als Umgangssprache zu ver- wenden, 1910 waren es von inzwischen 206.113 Einwohnern 172.580 (83,7%), die sich für Polnisch entschieden. In beiden Jahren lag an zweiter Stelle das Ru- thenische (1910 mit 10,6%), gefolgt von einer relativ geringen Anzahl an Deutsch Sprechenden (1910: 2,9%), die sich v.a. aus österreichischem Verwaltungsperso- nal rekrutierte. Dieser Anteil war auch deshalb so gering, da die ansässige jüdische Bevölkerung in Lemberg mehrheitlich und zunehmend das Polnische als Um- gangssprache angab.22 Der Befund der Ansichtskarten spiegelt denn auch jenes Gentlemen ‘ s agree- ment, welches das Haus Habsburg mit den Polen stillschweigend eingegangen war: In Galizien mögen sie als Dank für ihre „Deutschfreundlichkeit nach Belie- ben walten und hausen, zugleich aber Loyalität gegenüber dem Wiener Hof be- weisen.“23 Die Drucktexte der Postkarten Galiziens, besonders aber jene der quasi polnischen Enklave Lwów/Lemberg, stellen entsprechend ein beredtes Zeugnis über diese Vereinbarung und die starke Polonisierungspolitik in Galizien aus. Ohne hier der Versuchung nachgeben zu wollen, sich zu quantitativen Aussagen aufgrund der Analyse von etwa 350 physisch und elektronisch eingesehenen Post- karten (types; was im konkreten Fall etwa 450 tokens entspricht) verleiten zu las- sen, kann doch festgestellt werden, dass sich darunter nur wenige Karten ohne 21 für 1880: Die Bevölkerung der im Reichrathe vertretenen Königreiche und Länder nach Religion, Bildungsgrad, Umgangssprache [...], 2. Heft [...], Wien 1882, S. 102, zit. nach http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ors&datum=0001&page= 346&size=44; für 1910: Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern. 2. Heft des ersten Bandes. Die Bevölkerung nach der Gebürtigkeit, Religion und Umgangssprache [...], Wien 1914, S. 48, zitiert nach http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ost&da- tum=0001&page=323&size=28 (Zugriff jeweils 11.01.2020). 22 Vgl. Brix, Die Umgangssprachen, S. 353ff. 23 Vgl. ebda, et passim im Kapitel zu Galizien.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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