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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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164 | Heinrich Pfandl (und, eo ipso, des Hebräischen)47 wurde ausführlich in einer am 30.08.1908 in Czernowitz einberufenen, von Juden in aller Welt unterstützten Sprachkonferenz diskutiert, einer Veranstaltung, die von dem aus Wien stammenden Juden Nathan Birnbaum federführend initiiert wurde.48 An dieser Konferenz überwog die Mei- nung, dass das Jiddische zur (einzigen) Nationalsprache der Juden erklärt werden sollte, eine Position, die zwar in dieser Form keine Einigung erzielen konnte, je- doch in der Abschlusserklärung in nicht abgeschwächter Form („erkennt Jiddisch als eine nationale Sprache des jüdischen Volkes an“) beschlossen werden sollte. Die schließlich akkordierte Formel lautete, dass Jiddisch eine „ethno-nationale jü- dische Sprache“ sei, was auch all jene akzeptieren konnten, die Hebräisch als ihre primäre Nationalsprache sahen.49 Es gelang den Juden Zisleithaniens, wie be- kannt, über Jahre hinweg nicht, die österreichischen Behörden davon zu überzeu- gen, Jiddisch als gleichberechtigte Sprache in den Spracherhebungen vorzusehen, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits eine reiche Literatur in jiddischer Sprache existierte. Auf Postkarten der Region sind beide jüdischen Sprachen kaum anzu- treffen, wenn auch hin und wieder in allen östlichen Kronländern Mitteilungstexte mit hebräischen Lettern auftauchen – diese können sowohl jiddische wie auch, seltener, hebräische Texte wiedergeben. Es fällt in diesem Zusammenhang auf, dass Czernowitz zwar schon zu Zeiten der Monarchie gern als multikulturelle und multiethnische Stadt apostrophiert wurde, dieses Faktum jedoch auf den Postkarten kaum zum Tragen kam. Die viel- leicht wichtigste kulturelle bzw. religiöse Gruppe, die legendären Czernowitzer Juden, denen die Welt zahlreiche Kulturträger ersten Ranges zu verdanken hat, ist auf den Postkarten nur sehr eingeschränkt sichtbar. Eines der jüdischen Motive ist die Synagoge, hier als „Izr. Tempel“ ausgewiesen, neben einem höchst weltlichen Motiv des neu erbauten Bahnhofs zu sehen: 47 Zur Sprachenfrage der jüdischen Bevölkerung vgl. die Darstellung in Wolfdieter Bihl, „XIII. Die Juden“, in: Wandruszka/Urbanitsch (Hg.), Die Habsburgermonarchie, Band III/2, S. 881-910, hier S. 902ff. 48 Vgl. zu dieser Konferenz Lothar Baier, „Stadt des Sprachenstreits“, in: Rychlo (Hg.), Czernowitz, S. 73-81. 49 Vgl. Baier, „Stadt“, S. 80-81, sowie zum Sonderstatus des Jiddischen in der Bukowina Bihl, „Die Juden“, S. 904.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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