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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Laibach, Lemberg, Czernowitz | 171 Österreich-Ungarns Dichter wie Rose Ausländer und Paul Celan aufwuchsen und welches der Weltkultur zahlreiche weitere wichtige Kulturträger geschenkt hat. AUSBLICK Das Ziel des vorliegenden Beitrags war es, drei Städte mit unterschiedlicher Ge- schichte, Struktur, Größe und sprachlicher wie ethnischer Zusammensetzung an- hand ihrer Postkartenproduktion zu beleuchten. Als Sprachwissenschaftler stehe ich vor dem Ergebnis, dass nur in Laibach die in der Stadt gesprochenen Sprachen auch auf den Aufdrucktexten der Postkarten sowie in deren Individualtexten eini- germaßen wiederzufinden sind. Deutschsprachige und slowenischsprachige Auf- drucke und Individualmitteilungen werden laut unseren Erkenntnissen dort in etwa in jenem Verhältnis widergespiegelt, das anhand der Bevölkerungsverhält- nisse zu erwarten ist, wobei es allerdings gilt, den Anteil der mobilen Postkarten- schreiber (Dienstreisende, Urlauber u. dgl.) als erhöhenden Faktor für das Deut- sche zusätzlich zu berücksichtigen. Für Lemberg ist der Befund wesentlich er- nüchternder: Obwohl ruthenisch geschriebene und bedruckte Postkarten für klei- nere Städte, Märkte und Orte ganz Ostgaliziens durchwegs üblich waren, gilt dies für die Hauptstadt offensichtlich nur in äußerst geringem Maß – hier verhinderte die polnische Dominanz die Emanzipation der zwischen 5% und 10% schwanken- den ruthenischsprachigen Bevölkerung. Die zahlenmäßig ebenso gering vertrete- nen deutschsprachigen Lemberger hingegen finden sich sprachlich auf der Mehr- heit der Aufdrucktexte überproportional wieder; außerdem wird gelegentlich das Französische von polnischen Verlegern und Vereinen als Mittel der Vermeidung des Deutschen eingesetzt. Noch wesentlich stärker wird dies auf den Karten der etwa zur Hälfte von Deutschsprachigen bevölkerten Hauptstadt der Bukowina, Czernowitz, ersichtlich: Hier bilden Karten mit nicht rein deutschsprachigen Auf- drucktexten eine seltene Ausnahme, wobei die wenigen nicht rein deutschen Kar- ten eine zusätzliche rumänische (aber praktisch nie eine ruthenische oder polni- sche) Aufschrift zeigen. Anhand dieses Befundes können wir jedenfalls sagen, dass Postkarten einer- seits reale Verhältnisse abbilden können, aber auch als Akteure unsere Wahrneh- mung dieser Verhältnisse zu lenken imstande sind: Die Darstellung Lembergs als vorwiegend polnischsprachiger und des ethnisch und sprachlich höchst bunten Czernowitz als fast ausschließlich deutschsprachiger Stadt ist durchaus geeignet, in der zisleithanischen tragenden Schicht die Vorstellung von sprachlich homoge- nen Städten zu vermitteln, gleichzeitig aber auch die Sicht der dort ansässigen Bevölkerung auf sich selbst, also auch ihre ‚Identität‘, mitzugestalten: Wenn ich,
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Titel
Bildspuren – Sprachspuren
Untertitel
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Autoren
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Herausgeber
Eva Tropper
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
346
Schlagwörter
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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