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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Seite - 142 -
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142 katharina hranitzky Codex noch eine Reihe von Diagrammen in einfacher roter Zeichnung, die dem Compendium vor- und nachgereiht sind. Schemata und Miniatur bilden zusammen ein inhaltlich kohärentes Ausstat- tungsprogramm, gewissermaßen einen „Deutungsrahmen“ für die von Petrus von Poitiers als Genealogie Christi dargestellte biblische Geschichte (siehe unten). Die- ser besondere Ausstattungstyp sei hier, zusammen mit der in der Linzer Hand- schrift vorliegenden formalen Gestaltung der Genealogie Christi, als „Typ Baum- gartenberg“ bezeichnet. Aufbau des Compendiums und Eigenheiten des Baumgartenberger Exemplars Die genealogischen Reihen des Compendiums setzen sich stets aus unter- und nebeneinander angeordneten und oft auch miteinander verbundenen Medaillons zusammen, die für die verschiedenen biblischen Personen stehen. Das „Rückgrat“ des Schemas bildet die im Zentrum der Seiten verlaufende Linie der direkten Vor- fahren Christi, die durch Nebenlinien und Reihen bestimmter Herrscher oder an- derer Personen (zum Beispiel römische Kaiser, israelische Könige, die zwölf Apo- stel) ergänzt wird. Diese schematische Darstellung der Weltgeschichte, die gemäß der augustinischen Lehre in sechs Weltalter gegliedert ist, wird von erläuternden Textabschnitten begleitet, die in das Gefüge aus Medaillonketten eingepasst sind. Bestimmte Sachverhalte werden schließlich mittels kleiner Diagramme grafisch verdeutlicht.12 Das Baumgartenberger Exemplar zeichnet sich nicht nur durch eine sorgfäl- tige Ausführung, sondern auch durch einen klaren Aufbau und eine allgemeine Tendenz zur Schlichtheit aus. Genealogie und Schemata sind in Rot gezeichnet (Abb. 1–3). Die Medaillons sind durch Doppellinien miteinander verbunden, die oben und unten über den ebenfalls doppelten umlaufenden Rahmen hinausragen, wodurch die Kontinuität der genealogischen Abfolge augenfällig gemacht wird. Des Weiteren wurden, der Deutlichkeit halber, zwischen den Textabschnitten und den Medaillonketten an manchen Stellen senkrechte doppelte Trennlinien gezo- gen. Schließlich bilden im Zentrum der Seiten jeweils zwei einfache senkrechte Linien einen Streifen, auf dem die Ahnenreihe Christi aufliegt, die dadurch beson- ders betont wird. Die Medaillons mit den Namen der biblischen Gestalten sind meistens ebenfalls einfach konturiert, bestimmte Personen sind jedoch durch einen doppelten Umriss hervorgehoben. 12 In Cod. 490 sind auf fol. 5r unter drei Arkaden die 42 Wegstationen der Israeliten wäh- rend des Auszugs aus Ägypten aufgelistet, auf fol. 5v (Abb. 3) zeigt ein quadratisches Schema die Anordnung der Stämme Israels um das Offenbarungszelt während der von Moses durchgeführten Volkszählung, und auf fol. 8r ist ein schematischer Plan des nach der babylonischen Gefangenschaft wieder aufgebauten Jerusalem dargestellt. Diese Dia- gramme können in ihrer Form variieren (siehe unten), sind aber fester Bestandteil des Compendiums. – Zu den Schemata, die dem Compendium beigegeben waren bzw. wer- den konnten, siehe die bei Piggin, Peter’s Stemma (zit. Anm. 6) angegebenen Aufsätze von Andrea Worm.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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