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katharina hranitzky
Codex noch eine Reihe von Diagrammen in einfacher roter Zeichnung, die dem
Compendium vor- und nachgereiht sind.
Schemata und Miniatur bilden zusammen ein inhaltlich kohärentes Ausstat-
tungsprogramm, gewissermaßen einen „Deutungsrahmen“ für die von Petrus von
Poitiers als Genealogie Christi dargestellte biblische Geschichte (siehe unten). Die-
ser besondere Ausstattungstyp sei hier, zusammen mit der in der Linzer Hand-
schrift vorliegenden formalen Gestaltung der Genealogie Christi, als „Typ Baum-
gartenberg“ bezeichnet.
Aufbau des Compendiums und Eigenheiten des
Baumgartenberger Exemplars
Die genealogischen Reihen des Compendiums setzen sich stets aus unter- und
nebeneinander angeordneten und oft auch miteinander verbundenen Medaillons
zusammen, die für die verschiedenen biblischen Personen stehen. Das „Rückgrat“
des Schemas bildet die im Zentrum der Seiten verlaufende Linie der direkten Vor-
fahren Christi, die durch Nebenlinien und Reihen bestimmter Herrscher oder an-
derer Personen (zum Beispiel römische Kaiser, israelische Könige, die zwölf Apo-
stel) ergänzt wird. Diese schematische Darstellung der Weltgeschichte, die gemäß
der augustinischen Lehre in sechs Weltalter gegliedert ist, wird von erläuternden
Textabschnitten begleitet, die in das Gefüge aus Medaillonketten eingepasst sind.
Bestimmte Sachverhalte werden schließlich mittels kleiner Diagramme grafisch
verdeutlicht.12
Das Baumgartenberger Exemplar zeichnet sich nicht nur durch eine sorgfäl-
tige Ausführung, sondern auch durch einen klaren Aufbau und eine allgemeine
Tendenz zur Schlichtheit aus. Genealogie und Schemata sind in Rot gezeichnet
(Abb. 1–3). Die Medaillons sind durch Doppellinien miteinander verbunden, die
oben und unten über den ebenfalls doppelten umlaufenden Rahmen hinausragen,
wodurch die Kontinuität der genealogischen Abfolge augenfällig gemacht wird.
Des Weiteren wurden, der Deutlichkeit halber, zwischen den Textabschnitten und
den Medaillonketten an manchen Stellen senkrechte doppelte Trennlinien gezo-
gen. Schließlich bilden im Zentrum der Seiten jeweils zwei einfache senkrechte
Linien einen Streifen, auf dem die Ahnenreihe Christi aufliegt, die dadurch beson-
ders betont wird. Die Medaillons mit den Namen der biblischen Gestalten sind
meistens ebenfalls einfach konturiert, bestimmte Personen sind jedoch durch einen
doppelten Umriss hervorgehoben.
12 In Cod. 490 sind auf fol. 5r unter drei Arkaden die 42 Wegstationen der Israeliten wäh-
rend des Auszugs aus Ägypten aufgelistet, auf fol. 5v (Abb. 3) zeigt ein quadratisches
Schema die Anordnung der Stämme Israels um das Offenbarungszelt während der von
Moses durchgeführten Volkszählung, und auf fol. 8r ist ein schematischer Plan des nach
der babylonischen Gefangenschaft wieder aufgebauten Jerusalem dargestellt. Diese Dia-
gramme können in ihrer Form variieren (siehe unten), sind aber fester Bestandteil des
Compendiums. – Zu den Schemata, die dem Compendium beigegeben waren bzw. wer-
den konnten, siehe die bei Piggin, Peter’s Stemma (zit. Anm. 6) angegebenen Aufsätze
von Andrea Worm.
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken