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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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148 katharina hranitzky Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die Weltdarstellung in Cod. 490 sowohl gewisse bildliche Ungereimtheiten als auch eine Reihe von Schreibfehlern aufweist. So beruht die Personifizierung der Nebenwinde als Wasser ausgießende Figuren, die an Darstellungen der vier Paradiesflüsse und des Sternzeichens Wassermann erinnern, offenbar auf einem ikonographischen Missverständnis seitens des Illumi- nators, der möglicherweise das eher selten gebrauchte Attribut des Windschlauchs als Wassergefäß missdeutete oder Darstellungen von Paradiesflüssen als Vorlage be- nutzte.21 Die Beschriftung des Kosmosbildes wiederum ist insofern fehlerhaft, als die Bezeichnungen für die Himmelsrichtungen und die Namen der Winde in den inneren Kreisringen teilweise „verrutscht“ und manchmal auch leicht verballhornt sind.22 Des Weiteren wurden die Namen der Nebenwinde in den Rahmen der Be- satzmedaillons beiderseits jedes der Hauptwinde paarweise vertauscht.23 Schließlich enthält die Umschrift der Weltscheibe das in diesem Kontext wenig sinnvolle Wort Quinque (siehe Anm. 20). Ob diese Fehler auf das Konto des Kopisten des Baumgartenberger Codex gehen oder bereits in dessen Vorlage enthalten waren, ist ungewiss.24 Dass die Miniatur aber auf jeden Fall eine viel ältere Komposition wiedergibt, beweisen zwei fast iden- 21 Siehe Raff, Windpersonifikationen (zit. Anm. 2), S. 151, 164; zum Windschlauch S. 141, 143. Hranitzky, Diplomarbeit (zit. Anm. 3), S. 56; Obrist, Wind Diagrams (zit. Anm. 16), S. 83 f. (zu Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 378; siehe im Folgenden und Anm. 18), hier auch zum Vergleich der Winde mit Wasser, das in engen Gängen zusam- mengedrängt wird. 22 Die griechischen Bezeichnungen für die Windrichtungen im vierten Kreisring von in- nen sind jeweils um einen Viertelkreis nach rechts verschoben. Verrutscht sind auch die lateinischen Namen der Hauptwinde im innersten Ring, sie sollten in den Achsen der vier Himmelsrichtungen stehen. Der Westwind Favonius fehlt hier, er wurde irrigerweise im Nordwesten und im zweiten Kreisring über Subsolanus eingetragen. Dieser wiederum wäre im Osten zu platzieren gewesen. Als vierter Hauptwind wurde statt Favonius der Südwind Auster noch einmal genannt, an dessen Stelle der nach rechts gerutschte Nothus stehen müsste. Die Nordwestwinde Argestes/Chorus und Tracias/Circius sind aus Platz- mangel jeweils um einen Ring zu weit nach außen verschoben worden. Schließlich fehlt der Nordostwind Calcias/Vulturnus. 23 Es wurden zum Beispiel die neben Auster dargestellten Euronothus und Euroauster mitei- nander vertauscht, des Weiteren die neben Zephyrus wehenden Chorus/Argestes und Aff- ricus/Lybs usw. Offenbar wurden die Angaben „rechts“ und „links“ (dextra levaque) im Gedicht falsch interpretiert. Daher entsprechen – obwohl der Illuminator bemüht war, die zwölf Winde farblich zu charakterisieren (vgl. auch das rosafarbene Inkarnat des Süd- windes Auster) – die verschiedenen Farbtöne, in denen die Nebenwinde wiedergegeben sind, nur z. T. deren im Gedicht genannten Eigenschaften. So sind die aus Nordosten bzw. Nordwesten wehenden, miteinander vertauschten Aquilo/Boreas und Curcius/Thra- cias zwar folgerichtig in Blau wiedergegeben, und der aus Südwest blasende Euronothus, der im Codex im Südosten platziert ist, hat ein rosafarbenes Inkarnat; letzteres gilt aber auch für den eigentlich im Nordwesten anzusiedelnden Chorus/Argestes (siehe oben). 24 Auf jeden Fall zeigt sich, dass der Zeichner keine genaue Kenntnis der Windrose hatte. – Raff, Windpersonifikationen (zit. Anm. 2), S. 151 spricht von den Darstellungen der Nebenwinde in den ihm bekannten Exemplaren des „Typs Baumgartenberg“ als von „Mischformen“ und weist darauf hin, dass ihre Namen „in verwirrter Reihenfolge und schlechter Orthographie“ wiedergegeben seien. Es seien „verschiedene Vorlagen (worun- ter auch Darstellungen der Paradiesesflüsse) für dieses Bild in nicht sehr sinnvoller Weise kompiliert“ worden.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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