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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Seite - 161 -
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161 das BiBElcompEndium dEs pEtrus Von poitiErs Clm 2660 wurden die ins Compendium eingefügten Schemata gegenüber der rund ein halbes Jahrhundert älteren Vorlage formal leicht abgewandelt. Das quadratische Schema der Anordnung der zwölf Stämme jedoch folgt in der Handschrift aus Al- dersbach wiederum exakt der Lyoner Variante – sogar die aus Kreuzen bestehende Rahmenfüllung findet sich hier wieder. Die drei zusätzlichen Diagramme des Exemplars aus Aldersbach – ein Baum der Laster hat sich hier nicht erhalten – weisen wiederum gewisse gestalterische Veränderungen gegenüber ihren älteren Pendants auf. So stimmt das Medaillon der Weltdarstellung (Abb. 15), das dem Haupt Christi in der Darstellung des Linzer Cod. 490 (Abb. 5) korrespondiert, größenmäßig und durch seine Umrahmung mit dem entsprechenden Medaillon in Lyon (Abb. 9) überein. Doch fügte der Zeichner des Clm 2660 seinem Diagramm um der Symmetrie willen noch drei Doppelkreise hinzu, die er in der Verlängerung der orthogonalen Achsen der Scheibe anordnete. Auch hat er die Lombarde C zu Beginn des Textes, die in Lyon nicht ausgeführt wurde (vgl. auch Anm. 36), offenbar selbständig ergänzt. Dass die Münchener Handschrift Clm 2660 direkt auf dem Lyoner Ms. 445 fußt, kann dennoch als gesichert gelten. Ob die Weltdarstellung auf dem zuletzt bei Jörn Günther zum Verkauf angebote- nen Einzelblatt,54 das noch nicht genauer lokalisiert werden konnte und ebenfalls in den ersten Jahren des 14. Jahrhunderts entstanden sein dürfte, ursprünglich einer Abschrift des Compendiums voranging, ist fraglich; die Vorrede des Petrus von Poitiers fehlt hier, und auf der Rückseite des Blattes ist ein weiteres Kreisschema gezeichnet, das in den Codices keine Entsprechung hat. Wie in dem aus Klosterneuburg stammenden Cod. 364 sind auf der selbstän- digen kolorierten Zeichnung ikonografische Abweichungen gegenüber den älte- ren Werken festzustellen. Auch hier blicken einem die Hauptwinde als jüngere Männer entgegen, dafür sind in den Besatzmedaillons weiterhin acht Nebenwinde zu finden. Diese sind nun aber, mit Ausnahme der völlig entblößten Euroauster und Chorus/Argestes, mit Tuniken bekleidet und haben die Wassergefäße gegen Instrumente eingetauscht, die Hörnern ähneln und vielleicht auf das Wort tonant im äußersten Kreisring Bezug nehmen. Der Fußschemel wurde ganz weggelas- sen, so dass Christus nun hinter der Weltscheibe „schwebt“. Als Indiz für die Ab- hängigkeit des Einzelblattes von der in Heiligenkreuz hergestellten Handschrift dersbacher Schreiber den zweiten Absatz sogar durch eine Lombarde einleitet, obwohl der Text hier nach der Baumgartenberger Fassung (Cod. 490) keine Zäsur aufweist (die ursprünglich aus Cod. 490 stammenden fibrillenartigen Verweiszeichen wurden in Clm 2660 dennoch mit übernommen, wobei der obere leicht verrutschte); auf fol. 3r fehlen die Verbindungslinien zwischen Anna und Samuel (vgl. Lyon, fol. 4r); auf fol. 3v sind die Doppellinien links auf der Seite geknickt, weil sie der Schrift ausweichen (vgl. Lyon, fol. 4v); auf fol. 4v sind manche der senkrechten Verbindungen nur leicht ange- deutet (vgl. Lyon, fol. 5v); auf fol. 6v ist statt Zebedeus (vgl. Linz, Cod. 490, fol. 9r), Maria mit Jacobus (maior) und Johannes verbunden (vgl. Lyon, fol. 7v, hier die Linie nachträglich in Braun gezeichnet) und auf derselben Seite fehlt sowohl in Clm 2660 als auch in Lyon oberhalb der drei Marien und ihrer Ehemänner die dreimalige Über- schrift coniuges. 54 Siehe Raff, Windpersonifikationen (zit. Anm. 2), S. 152 und Abb. 123; Holcomb, Pen and Parchment (zit. Anm. 2), S. 118 f. (Kat.-Nr. 32), mit Abb.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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