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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Seite - 168 -
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168 EVElyn thErEsia kuBina das Betätigungsfeld von Floratoren und die Vernetzung von Klöstern der Region im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts.3 Heiligenkreuz Den Ausgangspunkt der Werkgruppe bildet ein 330 Blätter umfassendes Breviari- um Cisterciense, das in der Bibliothek des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz im Wie- nerwald verwahrt wird (Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Cod. 309).4 Von den ro- ten und blauen Lombarden, die den Text der Handschrift gliedern, wurden viele mit Knospen- und Palmettenfleuronnée in der Gegenfarbe oder in Rot und Blau versehen (Abb. 1–4), ebenso die KL-Ligaturen der Rektoseiten im vorangestellten Kalenderteil. Das Binnenfeld der Buchstaben füllen C- und S-förmig verlaufende Linien, aus diesen hervorgehende Knospen sowie in die Zwischenräume eingefügte Halbpalmetten und kleine Perlen. Der äußere Fleuronnée-Besatz besteht aus kon- turbegleitenden Linien, die kugelige Knospen und Palmettenblätter mit gebogten, glatten oder gestrichelten Rändern ausbilden und in Fadenausläufer oder Rankenäs- te übergehen. Die Knospen und Palmetten, die Kerne sowie dornartige Erweiterun- gen aufweisen können, betonen die End- und Gelenkstellen der Buchstaben, füllen Zwickel und dienen als Endmotive der Rankenäste. Begleitet werden sie von kurzen Spiralfäden, die von den Palmetten, Knospen oder Knospenpyramiden ausgehen und diese mitunter symmetrisch einrahmen. Für spiegelgleiche Kompositionen sor- gen vereinzelt auch die haarnadelförmigen Ausläufer oder Rankenäste der Initia- len, die mit winzigen Perlen sowie kurzen Parallelstrichen und Winkeln besetzt sein können. Ein besonderes Charakteristikum des Fleuronnée-Stils stellen die bärtigen Profilgesichter5 dar, die zur Füllung von Fadenzwickeln eingesetzt wurden und ho- hen Wiedererkennungswert besitzen (Abb. 5). Das auf diese Weise ausgestattete Zis- terzienserbrevier wurde von Benedict Gsell im 1891 erschienenen Heiligenkreuzer Handschriftenkatalog ins 13. Jahrhundert datiert.6 Zuletzt sprach sich Alois Haidin- ger angesichts des im Kalender und im Sanktorale der Handschrift eingetragenen Festes Octava Bernardi, das 1295 eingeführt wurde, sowie aufgrund der 1300 vorge- 3 Die Idee zu vorliegendem Aufsatz entstand im Rahmen der Medieval Academy der Vi- enna Doctoral Academies. Für hilfreiche Anregungen danke ich meinen KollegInnen von der Medieval Academy, insbesondere Mag. Markus Gneiß, MA. 4 Benedict Gsell: Verzeichniss der Handschriften in der Bibliothek des Stiftes Heiligen- kreuz. In: Die Handschriften-Verzeichnisse der Cistercienser-Stifte I (Xenia Bernardi- na II, 1), Wien 1891, S. 115–272, hier S. 196. 5 Sie erinnern entfernt an jene Profilköpfe, die der Heiligenkreuzer Mönch Ambrosius um 1300 in sämtliche Handschriften der Stiftsbibliothek an die Seitenränder zeichnete, um bestimmte Textstellen zu markieren. Zu Ambrosius von Heiligenkreuz siehe u. a. Katharina Kaska / Christoph Egger: „Unsere Bibliothek ist (fast) nicht wie andere“. For- schungen zur Geschichte der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heiligenkreuzer Bibliothek. In: Sancta Crux. Zeitschrift des Stiftes Heiligenkreuz 73 (2014), S. 159–165, hier S. 161 ff., sowie Martin Wagendorfer: Ambrosius von Heiligenkreuz als Leser der Vita Severini − Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte des Eugippius. In: Ars & Huma- nitas 9 (2015), S. 40–55. – Vgl. auch den Profilkopf der Fleuronnée-Initiale in einer Lilienfelder Handschrift (Lilienfeld, Stiftsbibliothek, Cod. 103, fol. 132v). 6 Gsell, Verzeichniss der Handschriften in Heiligenkreuz (zit. Anm. 4), S. 196. Abb. 1: Breviarium Cisterciense. Heiligenkreuz, Stiftsbibliothek, Cod. 309, fol. 120v Abb. 2: wie Abb. 1, fol. 171v Abb. 3: wie Abb. 1, fol. 23v
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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