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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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172 EVElyn thErEsia kuBina unter anderem Urkunden, auf denen die vorgesehenen Initialen nie ausgeführt wurden.22 Die Ausschmückung der Urkunden erfolgte dabei häufig erst auf Ver- anlassung ihrer Empfänger. Einen Anlass hierfür konnte etwa die Verleihung her- ausragender Privilegien darstellen, die von diesen durch eine feierliche Ausstattung der Urkunden optisch gewürdigt und gegebenenfalls für andere sichtbar gemacht wurde. Im Stiftsarchiv von Heiligenkreuz finden sich beispielsweise vier Urkunden vom 24. Dezember 1286, durch die Albrecht I. von Habsburg, Herzog von Öster- reich und der Steiermark (1282−1308), die Abtei Heiligenkreuz seinem besonderen Schutz unterstellt und derselben alle Rechte und Freiheiten bestätigt.23 Von diesen in Wien per manum24 magistri Bentzonis25 nostri prothonotarii et plebani de Mis- telbach ausgestellten Dokumenten zeigen zwei den für Heiligenkreuz typischen Fleuronnée-Stil: Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1286 XII 24−3 und Urk. 1286 XII 24−4 (Abb. 8).26 Die besonders reich verzierten Urkunden Albrechts I. für Heiligenkreuz wies Ivo Luntz zwei Schreibern zu, die vorwiegend für die gleichen in oder nahe bei Wien ansässigen Empfänger tätig waren. Unklar ist dabei, ob die beiden Schreiber zur Kanzlei Albrechts I. gehörten oder als (möglicherweise geist- liche) Gelegenheitsschreiber aus Wien betrachtet werden müssen, die sowohl vom Aussteller als auch vom Empfänger der Dokumente herangezogen worden sein könnten.27 Für die Ausschmückung dieser Urkunden mit Fleuronnée-Initialen war jedoch, wie bereits Luntz vermutet hat, der Wunsch der Empfänger maßgebend. Dafür spricht einerseits, dass die Mehrheit der von Albrecht I. ausgestellten Ur- kunden einfach ausgestattet oder schmucklos ist,28 und andererseits die enge Ver- 22 Als Beispiel für ein solches Dokument ohne Eingangsinitiale sei eine 1297 in Wien aus- gestellte Urkunde Albrechts I. angeführt (Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Erzstift Salzburg, AUR 1297 IX 24). – Siehe auch Roland / Zajic, Illuminierte Urkunden (zit. Anm. 2), S. 307, Anm. 67. 23 Zur Urkunde: Weis, Urkunden (zit. Anm. 14), S. 252−254 (Nr. 279). – Auch in diesen Urkunden wird der Heiligenkreuzer Hof in Wien erwähnt. Siehe Kieslinger, Heiligen- kreuzer Hof (zit. Anm. 20), S. 10. 24 Die Formel Datum per manus taucht vor allem in feierlichen Privilegien auf und scheint mit dem Beurkundungsvorgang selbst nichts zu tun zu haben. Siehe Luntz, Urkunden und Kanzlei (zit. Anm. 12), S. 432 f. 25 Interessant ist, dass der in der Urkunde genannte Magister Benzo von Worms, der der Kanzlei Herzog Albrechts I. von 1282 bis 1287 als Protonotar vorstand, als Mönch ins Zis- terzienserkloster Heiligenkreuz eintrat und dort von 1290 bis 1298 als Abt fungierte. Siehe Luntz, Urkunden und Kanzlei (zit. Anm. 12), S. 427−429; Christine Reinle: Albrecht I. (1298−1308). In: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-to- pographisches Handbuch. Teilbd. I: Dynastien und Höfe, hg. von Werner Paravicini, Ost- fildern 2003, S. 283–288, hier S. 285.− Zu Benzo als Abt siehe auch: Hermann Watzl: Ben- zo von Worms, Protonotar Herzog Albrechts I. von Österreich als Abt von Heiligenkreuz, 1290−1298. In: Sancta Crux. Zeitschrift des Stiftes Heiligenkreuz 32 (1970), S. 29–46. 26 Die Initialen der anderen beiden Schriftstücke wurden hingegen nur geringfügig mit Kräuselblatt-Fleuronnée (Urk. 1286 XII 24−2) bzw. gar nicht verziert (Urk. 1286 XII 24−1). 27 Luntz, Urkunden und Kanzlei (zit. Anm. 12), S. 423, 425 f., 446 f. 28 Siehe Luntz, Urkunden und Kanzlei (zit. Anm. 12), S. 419 und 433 f. – Darüber hinaus fällt auf, dass die Fleuronnée-Initiale einer am 21. Mai 1287 in Wien von Herzog Alb- recht I. für das Dominikanerinnenkloster Heiligenkreuz in Tulln ausgestellten Urkunde (St. Pölten, Niederösterreichisches Landesarchiv, RegA, Urk. Nr. 15) einem anderen Stil folgt, der jedoch ebenfalls vorwiegend in Handschriften aus Wien und dem heutigen Niederösterreich verbreitet war. Eine Zierinitiale derselben Formensprache zeigt etwa Abb. 11: Urkunde 1275 IV 11. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv Abb. 12: Urkunde 1275 IV 03.1. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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