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in seinen Schutz und bestätigt dem Kloster seine Rechte und Freiheiten: Heiligen-
kreuz, Stiftsarchiv, Urk. 1287 X 13−1 und Urk. 1287 X 13−2.31 Laut Luntz wurden die
gleichlautenden Originale wieder von jenen Schreibern verfasst, die schon für die
Heiligenkreuzer Herzogsurkunden vom 24. Dezember 1286 verantwortlich zeich-
neten,32 und wieder wurden die Schriftstücke durch einleitende Schmuckinitia-
len aufgewertet (Abb. 13). Was dabei besonders auffällt, ist, dass die Urkunden für
St. Niklas nicht nur hinsichtlich des Textes fast zur Gänze mit den Heiligenkreuzer
Urkunden übereinstimmen,33 sondern auch hinsichtlich ihrer künstlerischen Ge-
staltung. Denn die einleitenden Initialen sind jenem Fleuronnée-Stil verpflichtet,
den schon die Heiligenkreuzer Codices 309 (vgl. Abb. 1−4) und 291 (vgl. Abb. 6)
sowie mehrere Urkunden des Stifts vorgeführt haben (vgl. Abb. 7−10).
Die Verzierung der Dokumente für St. Niklas scheint demnach die Verbun-
denheit des Frauenkonvents mit jenem Stift widerzuspiegeln, dem die geistliche
Betreuung der Nonnen oblag,34 das seit den 1260er Jahren mit Gutolf einen Seel-
sorger und Lehrer für die Ordensfrauen stellte,35 und dessen Abt Heinrich mehr-
mals Urkunden für St. Niklas mitbesiegelte.36 Neben den personellen Beziehungen
ist auch auf die räumliche Nähe zwischen den Stadthäusern beider Zisterzen in
Wien hinzuweisen. So wurde die ab 1272 in der Singerstraße errichtete Filiale des
Nonnenklosters St. Niklas vor dem Stubentor beispielsweise auf einem Grundstück
31 Weis, Urkunden (zit. Anm. 14), S. 317 (Nr. 18); Barbara Schedl: Klosterleben und Stadt-
kultur im mittelalterlichen Wien. Zur Architektur religiöser Frauenkommunitäten.
Innsbruck 2009 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte 51), Reg. 43;
Karl Uhlirz: Regesten aus dem Archive der Stadt Wien. In: Verzeichnis der Originalur-
kunden des Städtischen Archives 1239–1411. Wien 1898 (Quellen zur Geschichte der
Stadt Wien, 2. Abtheilung, 1. Bd.), S. 5, Nr. a; Benedict Gsell: Regesten aus dem Archive
des Cistercienserstiftes Heiligenkreuz. Wien 1895 (Quellen zur Geschichte der Stadt. 1.
Abt., Bd. 1), S. 119–142, hier S. 121 f., Nr. 602.
32 Luntz, Urkunden und Kanzlei (zit. Anm. 12), S. 446 f.
33 Herbert Krammer: Die Zisterzienserinnen von St. Niklas im 14. Jahrhundert. Soziales
Beziehungsnetz, Stiftungspraxis und Klosterökonomie. Masterarbeit, Wien 2017, S. 83 f.
34 Opll, St. Maria bei St. Niklas (zit. Anm. 30), S. 14, 16, Anm. 11, 19 f.
35 Von Gutolf, der als Mönch des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz von 1265 bis 1285
urkundlich belegt ist, stammt u. a. eine lateinische Grammatik für den Unterricht der
Nonnen von St. Niklas. Zu diesem Werk und anderen Schriften Gutolfs siehe Winfried
Stelzer: Gutolf von Heiligenkreuz. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasser-
lexikon, Bd. 3, 2. Aufl., Berlin / New York 1981, Sp. 338–346. – Zwischen 1281 und 1287
entstand Gutolfs Bericht über die Reliquienüberführung der Heiligen Delicianae aus
dem Prämonstratenserstift Strahov in Prag in das Zisterzienserinnenkloster St. Niklas
in Wien. In dem Text, den der Autor der Äbtissin von St. Niklas, Margard (1276–1282),
widmete, skizziert Gutolf u. a. die Geschichte der beiden Nonnenklöster sowie das re-
ligiöse Leben der Klosterfrauen, die er als gelehrsam und fromm beschreibt. Siehe dazu
Oswald Redlich / Anton E. Schönbach: Des Gutolf von Heiligenkreuz Translatio s.
Delicianae. Wien 1908 (Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Klasse der kai-
serlichen Akademie der Wissenschaften Bd. 159/II. Abh.), S. 20 f., 24, 30; Schedl, Klos-
terleben und Stadtkultur (zit. Anm. 31), S. 281–284. – Gutolf wird auch in einer der hier
angeführten Urkunden von 1273 als Zeuge genannt (Melk, Stiftsarchiv, Urk. 1273 IX 15).
36 Opll, St. Maria bei St. Niklas (zit. Anm. 30), S. 20, Anm. 43, S. 21, Anm. 54. – Das Non-
nenkloster St. Niklas selbst lässt sich erst um 1280 siegelnd nachweisen. Siehe Ivo Luntz:
Die allgemeine Entwicklung der Wiener Privaturkunde bis zum Jahre 1360). Wien 1917
(Abhandlungen zur Geschichte und Quellenkunde der Stadt Wien 1), S. 7.
Abb. 13: Urkunde 1287 X 13–2.
Heiligenkreuz, Stiftsarchiv
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken