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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Seite - 184 -
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184 dušan Buran manischen Tradition zuordnete, schlug er eine Datierung um bzw. kurz nach 1300 vor. Als Vergleichsbeispiel diente ihm ein nur als Fragment erhaltenes Tafelbild aus Dębno mit zwei Heiligen,13 von dem er annahm, dass es zusammen mit mehreren Altären erst im 18. Jahrhundert aus seinem slowakischen Ursprungsort in das pol- nische Grenzgebiet transferiert worden war.14 Mit dieser örtlichen und zeitlichen Verankerung standen die Reliefs des Tabernakels für Glatz am Anfang der loka- len Zipser Skulpturtradition des 14. Jahrhunderts. An den Einordnungsvorschlag von Glatz knüpfte Milan Togner an und wies auf die älteste, damals nur teilweise freigelegte Schicht der Wandmalereien in der Pfarrkirche St. Katharina in Groß- lomnitz/Veľká Lomnica hin. Togner hielt alle drei Werke ‒ die Wandmalereien, die Dębno-Tafel und das Kreiger Tabernakel ‒ für Produkte derselben Werkstatt, deren Tätigkeit er in das späte 13. Jahrhundert bzw. in die Zeit um 1300 datierte.15 Der Kreiger „Schreinaltar“ bildete schließlich den Ausgangspunkt des Beitrags über Altäre in der bislang letzten zusammenfassenden Darstellung zur gotischen Kunst in der Slowakei: Robert Suckale und der Verfasser des vorliegenden Bei- trages widmeten dem Werk eine Katalognummer und schlugen als ursprüngliche Mittelfigur eine nicht mehr erhaltene thronende Madonna (sedes sapientiae) vor. Darin wurde das Werk in die Zeit um 1260 datiert, also wesentlich früher als von Glatz und Togner vorgeschlagen, und auch deren Lokalisierungsvorschlag und der Zusammenhang mit der Dębno-Tafel wurde in Frage gestellt.16 13 Dębno Podhalańskie, Pfarrkirche St. Michael (deponiert in Kraków, Muzeum Archidi- jecezalne). – Wawel 1000–2000. Ausstellungskatalog, hg. von Józef Andrzej Nowobilski, Kraków 2000, Bd. 2, S. 43–45, Bd. 3, Abb. 406. 14 Glatz, Gotické umenie (zit. Anm. 11), S. 17 (ohne Quellenangabe). Bei dem massiven Exodus von Kunstwerken aus der Zips nach Kleinpolen handelt es sich um einen My- thos, wie neuere Forschungen zeigen, vgl. zum Beispiel Barbara Ciciora: „Tempore belli transportata“. Történetek késő gótikus műalkotások vándorlásáról felső-magyarország és Pogorze között. In: Művészettörténeti Értesítö 50 (2001), S. 117–124. 15 Milan Togner: Fragment aus Dębno – älteste Tafelmalerei auf polnischem Gebiet und die Anfänge der Zipser Malerei. In: Umění XLI, 1993, S. 281–286. Auch abgesehen von dem durch weitere Freilegung der Großlomnitzer Wandmalereien vergrößerten Denk- mälerbestand und der damit veränderten Forschungssituation, ist diese Interpretation nicht unproblematisch. Der Autor erkennt zum Beispiel, dass es wenig plausibel ist, als ursprünglichen Aufstellungsort des Tafelbildfragments aus Dębno eine Kirche an- zugeben, die jünger ist als das Werk selbst ‒ bei dem Tabernakel in Kreig lässt er den gleichen Umstand jedoch außer Acht. Seinen stilistischen Vergleichen ist nur schwer zu folgen, und die These, dass eine einzige Werkstatt sowohl Wand- und Tafelmalerei als auch Skulpturen und Altarschreine ausführte, erscheint ohne eine gründlichere metho- dische Fundierung etwas willkürlich. Zu den Wandmalereien vgl. zuletzt Milan Togner / Vladimír Plekanec: Stredoveká nástenná maľba na Spiši. Bratislava 2012, S. 66–97. Die Verfasser halten die Wandmalerei mit dem heiligen Nikolaus in Großlomnitz und die Dębno-Tafel nach wie vor für Arbeiten derselben Werkstatt, jedoch erwähnen sie den Zusammenhang mit dem Kreiger Tabernakel nicht mehr (hierzu ebd., S. 69). 16 Dejiny slovenského výtvarného umenia – Gotika, hg. von Dušan Buran, Bratislava 2003, S. 689–690 (Dušan Buran / Robert Suckale). Siehe auch Robert Suckale: Počiatky gotickej skulptúry. In: ebd., S. 121–127, hierzu S. 126, und János Végh: O krídlových oltároch. In: ebd., S. 351–363, hierzu S. 358 (der Autor datiert den Altar in das 13. Jahr- hundert und hält ihn für ein von den angesiedelten Deutschen importiertes Werk). – Ich widmete dem Tabernakel eine Katalognummer in dem Jubiläumsband der Slowakischen Nationalgalerie und bildete Aufnahmen des Altars ab, die während der Restaurierung
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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