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das taBErnakEl aus krEiG
Die jüngsten Überlegungen zum Kreiger Tabernakel stellte Zoltán Gyalókay in
seiner 2015 vorgelegten Dissertation über hölzerne Madonnenfiguren aus der ersten
Hälfte des 14. Jahrhunderts vor.17 Im Kapitel über Funktion und liturgischen Ge-
brauch weist er auf den bereits von János Végh vorgeschlagenen Zusammenhang
mit den steinernen Pfeilernischen der Klosterkirche St. Benedikt/Hronský Beňadik
hin. Er stellt außerdem die Zipser Holzmadonnen ‒ und damit auch das Krei-
ger Tabernakel ‒ in den ikonographisch-funktionalen Kontext der Elfenbein-Po-
lyptychen französischer Herkunft und einiger Reste monumentaler Altarschreine
des 14. Jahrhunderts in Deutschland (Erfurt, Angermuseum, Schrein-Madonna;
Berlin, Bode-Museum, Schrein mit heiligem Pankratius aus Lübben-Steinkirchen).
Seiner Meinung nach ist das Tabernakel der letzte erhaltene Zeuge einer umfang-
reichen Altarproduktion des 13. Jahrhunderts in der Zips und, zumindest implizit,
in Kleinpolen.
Die bisherige Forschung konzentrierte sich demnach vor allem auf die kunsthis-
torische Einordnung des Tabernakels. Über dessen regionale Verankerung konn-
te keine Einigkeit erzielt werden, doch herrscht ein weitgehender Konsens über
die relativ frühe Entstehungszeit und die daraus folgende Einzigartigkeit, auch im
überregionalen Kontext.
Die in den jüngeren Veröffentlichungen vorgeschlagene frühe Datierung resul-
tiert in erster Linie aus einer neuen Chronologie einer ganzen Reihe von Zipser
Skulpturen: Die zuvor eher der Mitte des 14. Jahrhunderts zugeordneten Madon-
nen aus Rissdorf/Ruskinovce,18 Toppertz/Toporec19 und Nehre/Strážky20 bilden
eine relativ umfangreiche Gruppe von Skulpturen, die zwar nicht in derselben
Werkstatt entstanden sind, aber vor allem hinsichtlich der Rezeption französischer
gemacht wurden. Hier sind auch die Ergebnisse der dendrochronologischen Analyse
nachzulesen, siehe Slovenská národná galéria. 111 diel zo zbierok / Slovak National Gal-
lery. 111 Works of Art from the Collections, hg. von Dušan Buran / Katarína Müllerová,
Bratislava 2008, S. 44–45.
17 Zoltán Gyalókay: Rzeźby Marii z Dzieciątkiem o francuskiej proweniencji stylowej w
Małopolsce i na Spiszu w pierwszej połowie XIV wieku. Kraków 2015 (Studia z his-
torii sztuki Średniowiecznej Instytutu historii sztuki Universytetu Jagiellonskiego VI),
S. 141–148.
18 Heute: Bratislava, Slovenská národná galéria (Slowakische Nationalgalerie), Inv.-Nr. P
1700.
19 Heute: Budapest, Magyar Nemzeti Galéria (Ungarische Nationalgalerie) bzw. Szépmü-
vészeti Múzeum (Museum der Bildenden Künste), Inv.-Nr. 55.900.
20 Heute: Bratislava, Slovenská národná galéria (Slowakische Nationalgalerie), Inv.-Nr. P
137. ‒ Hierzu: Gotické umenie (zit. Anm. 11), S. 18–27 (mit älterer Lit.). Die neue Dis-
kussion geht aus von Suckale, Počiatky gotickej skulptúry (zit. Anm. 16), S. 121–127;
Romuald Kaczmarek: Kleinpolen – Schlesien – Zips. Einige Bemerkungen zur Skulptur
am Ende des 13. und im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts. In: Galéria – Ročenka
Slovenskej národnej galérie 2004 / 2005. Bratislava 2006 (Beiträge des Internationa-
len Colloquiums Gotik in der Slowakei und ihr mitteleuropäischer Kontext), S. 45–56;
Zoltán Gyalókay: Die Madonnenfigur von Dominikowice. Zu den künstlerischen Be-
ziehungen zwischen Kleinpolen und Oberungarn im 14. Jahrhundert. In: ebd., S. 35–43;
Gyöngyi Török: Die Madonna von Toppertz, um 1320–1330, in der Ungarischen Nati-
onalgalerie und das Phänomen der beweglichen Christkindköpfe. In: Annales de la Ga-
lerie Nationale Hongroise / A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 2005–2007, Budapest
2008, S. 76–89 und Gyalókay, Rzeźby Marii (zit. Anm. 17).
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken