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dušan Buran
Elfenbeinplastik Gemeinsamkeiten aufweisen. Da in den Reliefs des Kreiger Ta-
bernakels von französischen Elementen noch nichts zu spüren ist, sind sie früher
anzusetzen. Dies hat eine dendrochronologische Untersuchung bestätigt, die 1232
als das Jahr festlegt, in dem der Baum gefällt wurde, dessen Holz für das Relief des
heiligen Petrus Verwendung fand.21 Damit wird zwar die wichtige Position der
Reliefs als älteste Holzskulpturen in der Zips belegt, doch wegen fehlender zeitna-
her Vergleichsbeispiele lokaler Produktion bleibt die kunstgeographische Frage und
damit die Frage nach ihrer entwicklungsgeschichtlichen Bedeutung offen: Handelt
es sich um ein vor Ort entstandenes Unikat ohne Vorgänger und Nachfolger oder
nicht vielleicht doch um ein importiertes Werk?
Provenienz
Die erste relativ sichere Information über die Kirche St. Katharina in Kreig als Auf-
stellungsort des Tabernakels stammt von Kornél Divald, der 1905 eine Zeichnung
des verschließbaren „St. Nikolaus-Retabels“ veröffentlichte.22 Die Bezeichnung
bezieht sich auf die Skulptur des heiligen Nikolaus, die zu einem unbekannten
Zeitpunkt, auf jeden Fall aber nachträglich unter dem Baldachin platziert worden
ist.23 Die archivalische Überlieferung zum Dorf Kreig (in den Quellen auch Krig
oder Kyrig, slowakisch Vojňany, ungarisch Krigh) setzt 1296 ein, also erst einige
Jahrzehnte nach der hier vermuteten Anfertigung des Tabernakels. Sie bietet keine
verwertbaren Hinweise auf dieses Werk.24
Bei der Kirche St. Katharina handelt es sich um den Typus kleiner bis mit-
telgroßer Dorfkirchen, wie sie, mit geringfügigen Abweichungen, an der Wende
21 Die erste dendrochronologische Datierung wurde 2004 durchgeführt: Vladimír Bahýl /
Peter Stadtdrucker / Anna Žideková: Určenie veku artefaktu „oltár z Vojnian“ dendro-
chronologickou metódou. Technická správa. Zvolen 2004 (Bestandteil der Restaurie-
rungsdokumentation, siehe Hoffstädter, Tabernákulový oltár z Vojnian [zit. Anm. 1]).
Wegen der wenig differenzierten Daten wird die dendrochronologische Untersuchung
im Rahmen einer komplexeren Analyse in der nahen Zukunft wiederholt.
22 Kornél Divald / János Vajdovszky: Szepesvármegye művészeti emlékei. Bd. 1, Budapest
1905, S. 58; vgl.: A „szentek fuvarosa“. Divald Kornél felső-magyarországi topográfiája
és fenyképei 1900–1919, hg. von Ibolya Plank, Budapest 1999, S. 334. Hier wird darauf
hingewiesen, dass der St.-Nikolaus-Altar identisch sein könnte mit dem gleichnamigen
Altar in dem Visitationsprotokoll des Zipser Bischofs Johannes Szigray von 1700, veröf-
fentlicht in Additamenta ad Initia, progressus ac praesens status Capituli Scepusiensis,
hg. von Josephus Hradszky, Szepesváralyae 1903–1904, S. 115–273, hierzu S. 243. – In
den früheren Visitationsberichten tauchen die Altäre in Kreig nicht auf. Vgl. Vladimír
Olejník: Spišské prepošstvo na prelome stredoveku a novoveku II. Visitatio Ecclessi-
arum Terrae Scepusiensis 1655–1656. Trnava / Kraków 2015. – Mehrere Werke aus der
Katharinenkirche gelangten um 1925 in das Slowakische Museum (später Slowakisches
Nationalmuseum). 1952 wurden sie – samt dem Tabernakelaltar – in den Bestand der
neugegründeten Slowakischen Nationalgalerie überführt (Inv.-Nr. P 131–134; P 135–136,
P 141–142). Nur die Figur des heiligen Nikolaus ist im Bestand des Slowakischen Natio-
nalmuseums verblieben (Inv.-Nr. UH 154).
23 Vgl. Anm. 8.
24 Súpis pamiatok na Slovensku. 3 Bde., hg. von Alžbeta Güntherová-Mayerová, Bratislava
1968–1969, hierzu Bd. 3, S. 414.
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken