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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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194 dušan Buran Flügelkanten hin. Es stellt sich die Frage, ob ein häufiges Schließen und Öffnen der fragilen Konstruktion überhaupt möglich und vorgesehen war. Rekonstruktion des Programms Gehen wir vom Erhaltenen aus: Die vier Flügel tragen jeweils eine Heiligenfigur, die in eine flache Nische eingepasst ist und barfüßig auf einer Konsole steht (Abb. 1). Auf den beiden äußeren, hierarchisch höher zu bewertenden Flügeln erkennt man links Petrus, identifizierbar dank Schlüssel und Buch, und rechts Paulus, ebenfalls mit einem Buch in der einen und dem Griff des ansonsten verlorenen Schwerts in der anderen Hand. Die wahrscheinlich weiblichen Heiligen auf den inneren Flügeln konnten bisher nicht eindeutig identifiziert werden. Die linke hält einen Palmzweig und einen Apfel,50 die Attribute der rechten sind nicht mehr vorhanden. Alle vier Heiligen sind streng frontal dargestellt. Die beiden linken tragen jeweils ein Gewand in kräftigem Rot und darüber einen Mantel, dessen farbige Fassung wegen der Verluste schwer zu rekonstruieren ist. Die meisten Farbfragmente haben jedoch einen olivgrünen Ton. Auf den Flügeln der gegenüberliegenden Seite wie- derholt sich diese Farbkombination, nur wurde hier Grün für die Untergewänder und Rot für die darüber getragenen Kleidungsstücke verwendet. An mehreren Stel- len, besonders deutlich an den V-förmigen Halsausschnitten, ist eine Konturierung der Säume mit schwarzen Linien sichtbar (Abb. 4–6), und auf dem grünen Kleid der rechts angeordneten weiblichen Heiligen lässt sich eine Musterung aus roten Punkten erkennen, die in Dreiergruppen angeordnet sind (Abb. 12). Während Pe- trus und die rechte Heilige einen Teil ihres Umhangs so angehoben haben, dass die Stoffbahnen diagonal vor ihrem Körper verlaufen, sind die Mäntel der beiden anderen Heiligen in senkrechte parallele Falten gelegt. Durch diese Variationen in der Kombination der wenigen Farben und der auf zwei Motive beschränkten Gewandkompositionen entsteht der Eindruck einer abwechslungsreich gestalteten Heiligenreihe. Die meisten Tabernakel bzw. Altarschreine, die aus dem 13. Jahrhundert über- liefert sind, zeigen auf den Flügeln Szenen aus dem Leben Mariens oder anderer Heiliger. Das Tabernakel aus Kreig ist tatsächlich das einzige mir bekannte Beispiel, das auf jedem Flügel nur eine Figur zeigt.51 Am nächsten stehen ihm Beispiele, 50 Glatz, Gotické umenie (zit. Anm. 11), S. 15 identifiziert sie hypothetisch mit der heiligen Agnes von Rom, was sich allerdings allein anhand dieser Attribute nicht sicher belegen lässt. Vgl. Lexikon der christlichen Ikonographie, hg. von Wolfgang Braunfels, Rom / Freiburg / Basel / Wien 21994, Bd. 5, Sp. 58–63 (K. Zimmermanns). 51 Nur einige wenige gemalte Altartafeln zeigen schon früher ein vergleichbares Arrange- ment. Ein Beispiel aus Italien ist das Salvator-Triptychon von Viterbo mit je einer Hei- ligenfigur pro Flügel, siehe Klaus Krüger: Der frühe Bildkult des Franziskus in Italien. Gestalt- und Funktionswandel des Tafelbildes im 13. und 14. Jahrhundert. Berlin 1992, Abb. 143 f. Aus Deutschland lässt sich die noch in die Zeit um 1170–1180 zu datierende Tafel von Soest oder die um 1260 entstandene Gnadenstuhl-Tafel (heute: Berlin, Ge- mäldegalerie, Inv.-Nr. 1216B) von ebendort anführen. In beiden Fällen wird die zentrale Darstellung von ganzfigurigen Heiligen flankiert. Stephan Kemperdick: Altar Panels in Northern Germany, 1180–1350. In: The Altar and its Environment 1150–1400, hg. von Justin E. A. Kroesen / Victor M. Schmidt, Turnhout 2009, S. 125–146. Zu den ikono- Abb. 12: wie Abb. 1, unbekannte Heilige, Detail von der Farbfas- sung des Untergewandes
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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