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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Seite - 196 -
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196 dušan Buran Leider ist es bisher nicht gelungen, die verlorene Hauptfigur des Kreiger Al- tarschreins aufzuspüren. Dafür, dass es sich um eine thronende Madonna gehan- delt haben könnte, sprechen die bereits vorgestellten Spuren der Befestigung und die Farbaussparung an der Rückwand. Auch die architektonische Form des Balda- chins kann in diese Richtung interpretiert werden: Sie verweist auf die Vierung einer Kirche und würde eine darunter befindliche Madonna als Ecclesia inszenie- ren.57 Hierzu passen die Heiligen Petrus und Paulus, die unter anderem die Patrone der Lateranbasilika in Rom sind.58 Die Giebelform selbst war in der bildenden Kunst des 13. und 14. Jahrhunderts eine wichtige, bedeutungstragende Form. Klaus Krüger hat in seiner Arbeit über die ältesten Franziskustafeln gezeigt, wie in der italienischen Malerei des 13. Jahrhunderts das Prinzip des Tabernakels absorbiert wurde und die gemalten Giebel der ältesten Franziskustafeln auf den Typus des Altarschreins rekurrieren. Auch die Inszenierung der Ognissanti-Madonna Giottos, die zudem unter einen reich instrumentierten Baldachin platziert ist, kann als Erbe der Marientabernakel bezeichnet werden.59 In anderen Medien sind Madonnenbil- der, die die Gottesmutter in einer schreinartigen Architektur präsentieren, ebenfalls bereits vor 1300 häufiger nachweisbar, einschließlich der flankierenden Heiligen Petrus und Paulus:60 Entsprechende Werke in Form von Goldschmiedearbeiten, Elfenbeinskulpturen (Abb. 14) sowie Buch-, Tafel- und Wandmalerei sind erhalten geblieben (zum Beispiel Abb. 15). Bei der Auswahl zusätzlicher Heiliger gibt es eine große Variationsbreite. Hier dürften die jeweiligen Patrone der Kirche oder der Auftraggeber ebenso eine Rolle gespielt haben wie regionale Vorlieben. 57 Buran / Suckale (zit. Anm. 16). Im Kontext von Retabeln untersuchte die Schreinma- donnen Wolf, Deutsche Schnitzretabel (zit. Anm. 34), S. 296–299. Vgl. auch Fried, The Swedish Madonnas (zit. Anm. 55), passim. 58 Wenn es sich bei einer der weiblichen Heiligen des Kreiger Tabernakels tatsächlich um die heilige Agnes handelt, würde das den „römischen Bezug“ der Ikonographie noch stärken. 59 Krüger, Der frühe Bildkult (zit. Anm. 51), hierzu S. 17–24, 82–96, vgl. auch den Katalog der erhaltenen Madonnenschreine des 13. und 14. Jahrhunderts, S. 219–230. 60 Zu den romanischen und frühgotischen Altären vgl. Les Premiers Retables (zit. Anm. 49), S. 21–29. Abb. 14: Elfenbeintabernakel. New York, Metropolitan Museum of Art, Frankreich, viertes Viertel des 13. Jahrhunderts(?) Abb. 15: Wandaltar mit der Thro- nenden Madonna, flankiert von Heiligen. Rom, Santa Balbina, um 1280
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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