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das taBErnakEl aus krEiG
Auch wenn die Seitenflügel des Schreins von den Heiligen dominiert werden,
sollte die dekorative Rahmung der Reliefs nicht ganz aus dem Blick geraten. Sie ist
durchaus anspruchsvoll gemacht. So wurden die rund- oder spitzbogig begrenz-
ten Flächen oberhalb der Heiligen durch gemalte architektonische Elemente wei-
ter strukturiert. Der gelblich lasierte Grund, vor dem sich die Heiligen befinden,
wird oben durch rot konturierte Kleeblattbögen abgeschlossen, deren mittlerer Bo-
gen spitz zuläuft. Darüber sind auf grünem Grund schmale Doppelfenster sowie
Drei- und Vierpässe angedeutet (Abb. 16). Vergleichbare architektonische Rahmen
lassen sich bis in die Spätantike zurückverfolgen und sie waren in der Mitte des
13. Jahrhunderts in Skulptur, Wand- und Buchmalerei durchaus üblich. Spätes-
tens seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Motiv auch für die
mitteleuropäische Wandmalerei adaptiert, meistens in Form von Arkadenreihen,
wie zahlreiche Beispiele in der Zips und in angrenzenden Regionen zeigen (unter
anderem Sillein/Žilina,61 spätes 13. Jahrhundert, Abb. 17; Pudlein/Podolínec,62 erste
61 Pfarrkirche St. Stephan.
62 Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Abb. 16: Tabernakel aus Kreig
(wie Abb. 1), architektonischer
Dekor des Flügels mit dem heili-
gen Paulus
Abb. 17: Apostelreihe (De-
tail). Sillein/Žilina (Slowakei),
St. Stephanskirche, Ende des
13. Jahrhunderts
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken