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distanz und nähE dEs hEiliGEn
nicht zuletzt darin bestanden haben, dass die Mandorla eine sakrale Hoheitsformel
war, die von weitem erkennbar eine transzendente Zone auf den Buchdeckeln de-
finierte – in ähnlicher Weise, wie sie dies auch in der Monumentalkunst der Zeit
leistete, bei der Ausmalung von Apsiden, auf den Tympana von Figurenportalen
oder in der Glasmalerei.
In der symbolträchtigen Mandorlaform des Rahmenwerks zeigt sich der ästhe-
tische Anspruch des Bamberger Psalters: Alle anderen Hornplatteneinbände des
13. Jahrhunderts haben einfachere Rahmenordnungen, die sich aus Rechtecken ver-
schiedener Größe zusammensetzen.27 Da die transparenten Hornscheiben bei der
Herstellung vermutlich in Rechteckform zugeschnitten und gehandelt wurden, war
dies sicher die ökonomischste Variante, während die kurvilinearen Zuschnitte der
Mandorla mehr Mühe erforderten und mehr Abfall produzierten.
und der Codex Aureus von Freckenhorst (frühes 12. Jahrhundert, Münster, Staatsar-
chiv, Ms. VII, 1315), vgl. Steenbock, Prachteinband (zit. Anm. 4), S. 168–169, Nr. 76,
S. 175–175, Nr. 82.
27 Engelharts Klassifikation als „Mandorla-Typus“ ist insofern irreführend, vgl. Engelhart,
Der Hornplatteneinband (zit. Anm. 10), S. 454. Das zweite Objekt, das Engelhart die-
sem „Typus“ zuschlagen will, ist der im 14. Jahrhundert mit neuem Einband versehene
Psalter der norwegischen Königin Margarete Skulesdatter (Berlin, Kupferstichkabinett,
78 A 8), dessen Deckel auf einer Kombination von Rhombus und Rechteck basiert,
während die darin eingeschriebene Mandorla nur gemalt ist, vgl. Tilo Brandis u. a.
(Hg.): Zimelien. Abendländische Handschriften des Mittelalters aus den Sammlungen
der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin. Ausstellungskatalog, Berlin, Staatsbiblio-
thek / Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, 13.12.1975–1.2.1976, Wiesbaden 1975,
S. 276–278, Nr. 184. Abb. 11: Aussetzung des Moses auf
dem Nil, Christus als lebendiges
Wort im Codex. Bible moralisée,
Wien, Österreichische National-
bibliothek, Cod. 2554, fol. 16r, um
1220/26
Abb. 12: Christus mit den Evan-
gelistensymbolen. Vorderdeckel
eines Evangelistars, Braunschweig,
Herzog Anton Ulrich-Museum,
Inv. Nr. MA 56, um 1240
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken