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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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221 distanz und nähE dEs hEiliGEn Richten wir unsere Aufmerksamkeit an dieser Stelle auf das Publikum, für das der Bamberger Psalter geschaffen wurde: Die Tatsache, dass Maria als Gottesge- bärerin und Gottesmutter so in den Vordergrund gerückt wurde, war ein starkes Identifikationsangebot an die Gräfinnen, durch deren Hände der Psalter wanderte. Schließlich dürfte sich im Leben dieser Frauen viel um Schwangerschaft und Ge- burt, und vor allem um die Geburt der Söhne gedreht haben, die den Fortbestand der Sippe garantierten. Bemerkenswert ist aber auch der Umstand, dass weder der Rück- noch der Vorderdeckel mit Inschriften versehen wurde. Da Namensbeischrif- ten fehlten, waren die ersten Besitzerinnen des Psalters zweifellos auf Erläuterungen angewiesen, was es mit den vier Männern und den von ihnen präsentierten Ob- jekten auf sich hatte. Der Psalter wurde also klar als ein Buch entworfen, das unter Anleitung zu gebrauchen war, beispielsweise durch den jeweiligen Hofkaplan der Grafenfamilie. Schrift fehlte aber auch an einer anderen Stelle, wo sie in der Kunst des 12. und 13. Jahrhunderts fast schon unentbehrlich war: Keine der vier Figuren in den Eck- feldern hält ein Spruchband und wird so zum Träger einer mündlichen Botschaft.53 Die Bilder auf den Einbanddeckeln bleiben in dieser Hinsicht „stumm“. Wie wich- tig Spruchbänder gerade als Rollenkennzeichen von Propheten in der Bildkunst der Zeit waren, zeigt etwa ein Blick auf den Christuszyklus des Elisabethpsalters, wo jeder Szene eine sprechende Prophetenfigur beigegeben ist. Bei dem Bamberger 53 Vgl. Wolter-von dem Knesebeck, Der Elisabethpsalter (zit. Anm. 6), S. 158, 339–342. Abb. 17: Geburt Christi, prophe- tische Symbole, Moses, Gideon, Aaron, Ezechiel und Stifterbild. Vorderdeckel eines Lektionars, München, Bayerische Staatsbib- liothek, Clm 12201b, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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