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christinE BEiEr
chen von der Jahrhundertmitte bis in das dritte Viertel des 13. Jahrhunderts.17 Die
übrigen vier Beispiele (Abb. 4–7) gehören trotz der augenfälligen Unterschiede in
der Figurenbildung zu einer enger miteinander verbundenen Gruppe. Diese um-
fasst neben fünf mehr oder weniger vollständig erhaltenen Handschriften18 auch
einige Einzelminiaturen aus weiteren Psaltern.19 Zu den verbindenden Elementen
zählen Buchstabenschäfte, die zu elegant geschwungenen blauen Bändern aufge-
löst sind, und Goldlombarden auf farbigen Feldern, mit denen das Initium an
die Beatus-Initiale anschließt (im Exemplar des Germanischen Nationalmuseums
auf der Versoseite). Die von zwei schmalen farbigen Leisten eingefassten Gold-
rahmen für Initialfelder und Miniaturen (Abb. 7) fanden ebenfalls mehrfach Ver-
wendung, fehlen allerdings in den Exemplaren der Nürnberger Stadtbibliothek
und der Chester Beatty Library. Für diese jüngere Gruppe geht man seit den
Untersuchungen von Elisabeth Klemm von einer Entstehungszeit vor und um
1270/75 aus.20
Für die jüngeren, enger zusammengehörenden Psalter hat Hanns Swarzenski vor-
geschlagen, dass sie „werkstattmäßig“ hergestellt worden sind.21 Auch Elisabeth
Klemm bezeichnete die Psalter als Beispiele einer gewissen Serienproduktion,22 und
für Harald Wolter-von dem Knesebeck ist Augsburg eines der vereinzelten Beispiele
für eine größere Stadt, in der Malerwerkstätten im 13. Jahrhundert eine Massen-
produktion betrieben.23 Andrea Worm vermutet ein großes Atelier oder mehrere
ähnlich arbeitende Unternehmen, die auf Psalter spezialisiert waren.24 Nimmt man
jedoch alle – und damit auch die älteren – Augsburger Psalter in den Blick, mag
die These nicht recht zufriedenstellen, dass im Verlauf von ca. 50 Jahren in der
Stadt zehn bis zwanzig (oder mehr, wenn man Verluste mitbedenkt) kommerzi-
ell ausgerichtete Ateliers bzw. Künstler ansässig waren, die ausschließlich Psalter
produzierten und von denen mehrere nur ein einziges, stilistisch singuläres Werk
hinterließen.
17 Zuletzt Worm, „Du solt wizzen“ (zit. Anm. 9), S. 24 (Augsburg) und 25 (Baltimore).
18 Dublin, Chester Beatty Library, W 40; München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm
16137; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 56632; Nürnberg, Stadtbiblio-
thek, Solg. Ms. 2.4°; Prag, Bibliothek des Nationalmuseums, XIV E 3; vgl. Swarzenski,
Die lateinischen illuminierten Handschriften (zit. Anm. 8), S. 58; Klemm, Die illumi-
nierten Handschriften (zit. Anm. 6), Textband, S. 140.
19 Unter anderem Frankfurt am Main, Historisches Museum, C 72–75; Cambridge (MA),
Harvard University, Houghton Library, MS Typ 997; New York, The Morgan Library
& Museum, MS M. 275 und MS M. 280; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum,
Graphische Sammlung, Bredt 19, Kapsel 1593.
20 Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), S. 139 f.; Worm, „Du solt wiz-
zen“ (zit. Anm. 9), S. 49.
21 Swarzenski, Die lateinischen illuminierten Handschriften (zit. Anm. 8), S. 57.
22 Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), S. 24.
23 Wolter-von dem Knesebeck, Deutschland (zit. Anm. 8), S. 286.
24 Worm, „Du solt wizzen“ (zit. Anm. 9), S. 46.
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Titel
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Autor
- Christine Beier
- Herausgeber
- Michaela Schuller-Juckes
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Abmessungen
- 18.5 x 27.8 cm
- Seiten
- 290
- Kategorien
- Geschichte Chroniken