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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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239 zwischEn EiGEnlEistunG und GEwErBlichEr sEriEnfErtiGunG der illuminierten Handschriften deutscher Herkunft in der Bibliothèque nationale haben François Avril und Claudia Rabel zurecht eine unterschiedliche Autorschaft für die beiden Miniaturen im Martyrologium abgelehnt:63 Farbigkeit, Figurentyp, technische Qualität und formale Eigenheiten stimmen so weitgehend überein, dass sich eine solche nicht begründen lässt. Das gilt auch für die Ausstattung der heute in Regensburg aufbewahrten Statuten, die unmittelbar an diese Miniaturen anzu- schließen ist (Abb. 16). Die Deckfarbenmalereien in den Psaltern weisen ausreichend gemeinsame Züge mit den als ursprünglicher Besitz von Heilig Kreuz gesicherten, jeweils zeitnah entstandenen Ausstattungen anderer Texte auf, um die Zuschreibung an dassel- be Atelier zu begründen (vgl. Abb. 13, 14 mit Abb. 12 und Abb. 15 mit 16). Der untergeordnete Buchschmuck jedoch, der überwiegend aus Fleuronnée-Initialen besteht, zeigt eine größere formale Bandbreite und voneinander mehr oder weniger unabhängige Motivzusammenstellungen. Eine Erklärung wäre, dass, ähnlich wie bei den Augsburger Psaltern, das Kopieren des Textes, die Rubrizierung und die weitere Ausstattung arbeitsteilig erfolgte und das Atelier in unterschiedlichem Um- fang einbezogen wurde. Eine Untersuchung dieser Bestandteile des Buchschmucks steht jedoch noch aus. Festzuhalten bleibt, dass es Argumente für eine hausinterne Anfertigung des illuminierten Martyrologiums und der Statuten aus Heilig Kreuz gibt und dass zunächst nichts dagegenspricht, dass Angehörige des Konvents auch die anderen für den eigenen Bedarf hergestellten Bücher mit den stilistisch übereinstimmenden Miniaturen und Ornamentinitialen versehen haben. Darauf, dass Nonnen für den eigenen Bedarf Bücher produzierten, ist bereits mehrfach hingewiesen worden;64 dafür, dass sie im 13. Jahrhundert auch an der kommerziellen Buchherstellung – namentlich an der Anfertigung von Psaltern – beteiligt waren, bieten die oben erwähnten Statuten der Dominikaner einen Beleg. Psalterherstellung in der Stadt Im Zusammenhang mit illuminierten Psaltern des 13. Jahrhunderts aus Mitteleu- ropa wurde immer wieder auf den unterschiedlichen künstlerischen Anspruch der Ausstattungen hingewiesen.65 Für die Niederlande sieht die Überlieferungssitua- tion ähnlich aus, und Judith Oliver, die sich in ihrer Untersuchung zur spätmit- telalterlichen Buchmalerei in der Diözese Lüttich auf illuminierte Psalter stützte, äußerte die Vermutung, dass ein Teil dieser Produktion nicht von ausgebildeten Buchmalern, sondern von Amateurkünstlern stammt, von mehr oder weniger ge- 63 Avril / Rabel, Manuscrits enluminés (zit. Anm. 57), S. 183. 64 Zum Beispiel Christa Bertelsmeier-Kierst: Beten und Betrachten – Schreiben und Ma- len. Zisterzienserinnen und ihr Beitrag zum Buch im 13. Jahrhundert. In: Anton Schwob / Karin Kranich-Hofbauer (Hg.): Zisterziensisches Schreiben im Mittelalter. Das Skrip- torium der Reiner Mönche. Bern 2005, S. 163–177; eine reiche Zusammenstellung zur Kunstproduktion in Nonnenklöstern bietet auch der Ausstellungskatalog Krone und Schleier. Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern. Essen, Ruhrlandmuseum / Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, 19.3.–3.7.2005. 65 Zum Beispiel Klemm, Die illuminierten Handschriften (zit. Anm. 6), S. 13, 130.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Titel
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Autor
Christine Beier
Herausgeber
Michaela Schuller-Juckes
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Abmessungen
18.5 x 27.8 cm
Seiten
290
Kategorien
Geschichte Chroniken
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