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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
4.3 und 4.4) und folglich auch auf die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen
und -risiken (APCC 2014). Die Veränderung des Klimas hat vielfältige Auswirkungen
auf physikalische, biophysikalische und physiologische Prozesse und auf ihr Zusammen-
spiel im Ökosystem. Erhöht sich die Temperatur unterhalb des jeweiligen Temperatur-
optimums eines spezifischen Prozesses, wird dieser beschleunigt (z.B. Photosynthese,
Atmung, Phänologie von Pflanzen und Insekten), steigt die Temperatur über das
Optimum, verlangsamt sich dieser bis hin zum Stillstand (Absterben). Dies hat
direkte Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, Konkurrenzfähigkeit oder Produkti-
vität von Bodenmikroorganismen, Pflanzen und Tieren und stellt den Pflanzenbau
vor die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen (Eitzinger et al. 2009).
Aufgrund der ganzjährigen Erwärmung steigt auch das Verdunstungspotenzial. Dies
verstärkt, neben Niederschlagsabnahmen im Sommer, den Trend zu mehr Trocken-
heit. Simulationen von verschiedenen Klimamodellen zeigen jedoch unterschiedliche
Veränderungen in den saisonalen Niederschlagsverteilungen. Die Veränderungen kön-
nen zu temporären Versorgungsdefiziten bei bestimmten Vegetationen oder Pflanzen-
arten führen. Wärmere Temperaturen verlängern in unseren Breiten die Vegetations-
periode, d.h., die Vegetation benötigt mehr Wasser, und Boden- und Grundwasser-
reserven werden mehr beansprucht.
Wie viel Wasser eine Pflanze braucht, hängt direkt von der gebildeten Trockenbio-
masse pro Flächen- und Zeiteinheit ab. Wassermangel ist direkt ertragslimitierend.
Der Transpirationskoeffizient gibt das Verhältnis von Pflanzenverdunstung zu gebil-
deter Trockenbiomasse an, woraus sich der Wasserbedarf für einen bestimmten Ertrag
ableiten lässt. Landwirtschaftliche Nutzpflanzen benötigen pro kg gebildeter Trocken-
biomasse ca. 300–600 l Wasser. Eine gleichmäßige Niederschlagsverteilung während der
Wachstumsperiode ist entscheidend, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.
Stärkere Verdunstung, mehr Starkniederschläge und Hitzewellen führen bei durch-
schnittlich abnehmenden oder gleichbleibenden Niederschlagsmitteln zu stärkeren
und längeren Trockenperioden. Dies kann den zusätzlichen Wasserbedarf, der durch
Bewässerung abgedeckt werden muss, erhöhen. Abbildung 4.2.3 zeigt den erhöhten
blauen Wasserfußabdruck (also jenen Wasseranteil, der mittels Bewässerung bereit-
gestellt werden muss, um einen optimalen Ertrag zu erhalten) verschiedener Nutz-
pflanzen im Osten Österreichs.
Im agrarischen Bereich gibt es viele Möglichkeiten, sich an Klimaänderungen anzu-
passen – insbesondere an sich ändernde wetterbedingte abiotische Stressfaktoren für
Nutztiere und -pflanzen. Im landwirtschaftlichen Pflanzenbau sind dies neben der
Züchtung und Auswahl adaptierter Sorten (die etwa genetische Stresstoleranz, großes
Wurzelvolumen oder gute Wassernutzungseffizienz aufweisen) produktionstechnische
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Titel
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Autoren
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Verlag
- Springer Spektrum
- Ort
- Wien
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Abmessungen
- 17.3 x 24.6 cm
- Seiten
- 288
- Schlagwörter
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Kategorien
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima